Berlin, den 12.März 2021 – Mit dem Ziel, die deutsch-italienische Business Community über die neuesten Entwicklungen in Deutschland zu informieren, hat ITKAM – Italienische Handelskammer für Deutschland e.V. den langjährigen Partner und Wirtschaftsexperten, die Interessenvereinigung Mittelständische Wirtschaft (IMW), um einen Gastbeitrag zum Thema Corona in Deutschland – Status quo und Perspektive gebeten. ITKAM freut sich, heute den Gastbeitrag der Vorstandsvorsitzende der IMW, Susann Friedrich, zu teilen:

„Auch Deutschland hat lernen müssen, dass das Corona-Virus und erst recht seine Mutanten gnadenlos sind und Gründlichkeit nicht per se besser ist als Schnelligkeit. Dabei schienen der Staat wie die Bevölkerung die Situation zunächst gut im Griff zu haben. Der erste Lockdown zeigte fast lehrbuchartig die erhoffte Wirkung: Im Zuge der strengen Maßnahmen sanken die Inzidenz-Zahlen. Parallel demonstrierten die Bundesregierung wie auch die Landesregierungen Entscheidungsstärke und bestmögliches Krisenmanagement, indem umgehend ein milliardenschweres Konjunkturprogramm verabschiedet wurde. Die Wirtschaft sollte nicht mehr als unbedingt notwendig unter der Bekämpfung der Pandemie leiden. Die ohne großen unbürokratischen Aufwand abrufbaren Soforthilfen für notleidende Unternehmen erwiesen sich in wirtschaftlicher wie sozialpolitischer Hinsicht als lobenswerte Krisen-Intervention. Viele Unternehmen, insbesondere Klein- und Mittelständler konnten ihre wirtschaftlichen Einbußen teilweise ausgleichen und sahen sich in die Lage versetzt, zumindest ihre Fixkosten zu decken.

Das Kurzarbeitergeld: ein starker Pfeiler der Wirtschaft

Enorm positive Wirkung entfaltete vor allem das Kurzarbeitergeld. Die Übernahme eines Teils der Löhne und Gehälter durch den Staat wurde erneut verlängert. Gleiches gilt für die Aussetzung der Insolvenzpflicht, um die drohende Pleitewelle abzuschwächen. Hervorhebenswert sind zudem die verschiedenen Bürgschaftsprogramme von Bund und Ländern für Unternehmen, die einen Liquiditätskredit benötigen, weil beispielsweise Lieferketten wegbrechen, Projekte verschoben werden müssen oder MitarbeiterInnen weniger verfügbar sind. Die Kredite werden durch Bundes- wie Landesbürgschaften zu 90% staatlich abgesichert.

Konjunkturhilfen wahren den sozialen Frieden

Die genannten Instrumente zur Eindämmung der Pandemie-Folgen stabilisieren die stark geschwächte Wirtschaft und tragen maßgeblich zur Wahrung des sozialen Friedens bei. Gerade letzteres ist von herausragender Bedeutung. Die Furcht, dass Dauer und Auswirkungen der Pandemie extremistische politische Kräfte stärken könnten, muss ernst genommen werden. Die hasserfüllte Propaganda in den sozialen Medien unterstreicht die große Bedeutung flankierender Maßnahmen im Bereich der Sozial-, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik, aber auch politischer Besonnenheit.

Besser als sein derzeitiger Ruf: Der Föderalismus

Hervorhebenswert ist das Vorgehen der einzelnen Landesregierungen. Die föderale Struktur der Bundesrepublik mag bei der Umsetzung der Pandemiemaßnahmen punktuell zu einer verwirrenden Vielfalt an Vorschriften geführt haben. Insgesamt hat sich jedoch bewährt, dass dank des Föderalismus regional angepasst auf das Infektionsgeschehen reagiert werden konnte. Gleiches gilt für die Wirtschaftshilfen. Die Landesregierungen haben ergänzend zu den Bundeshilfen eigene Förderprogramme aufgelegt, um damit gezielt nachzusteuern und die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft zu berücksichtigen. Entscheidenden Anteil an der regionalen Anpassung hatten Wirtschaftsverbände wie die Interessenvereinigung Mittelständische Wirtschaft (IMW), die durch ihre Expertise zahlreiche Verbesserungen im Sinne der Unternehmen erwirken konnten.

Uneinheitlichkeit als Kennzeichen der Krise

Die regionalen Unterschiede verweisen auf einen weiteren wichtigen Aspekt der konjunkturellen Entwicklung: Das uneinheitliche Bild. Auch die Branchen sind  unterschiedlich stark betroffen. Besonders das Gastgewerbe, der gesamte Kulturbetrieb und der Tourismussektor inklusive des Flugverkehrs haben wie überall auf der Welt mit Umsatzeinbußen von bis zu 95% zu kämpfen. Während sich das Handwerk, die Industrie und die Bauwirtschaft bislang gut behaupten konnten, da die Betriebe weiter geöffnet bleiben durften, ist der Umsatzeinbruch im Einzelhandel drastisch. Insbesondere die Lockdown-Phasen haben eine noch stärkere Verschiebung der Marktanteile in Richtung des Online-Handels zur Folge.

Digitale Aufgeschlossenheit zahlt sich aus

Beim Stichwort Online-Handel kommt die Digitalisierung ins Spiel, die auch in Deutschland mit seinem leider noch immer unzureichend ausgebauten Breitbandnetz einen gewaltigen Schub bekommen hat. Einen großen Vorteil haben jetzt diejenigen Unternehmen, die in den Jahren zuvor schon digital aufgerüstet und beispielsweise in ihre Online-Plattform, die Firmen- Website oder neue Software für die verschlüsselte Datenübermittlung investiert haben. IT-Sicherheit erweist sich als wichtige Voraussetzung für das umfangreich praktizierte Arbeiten vom Homeoffice aus.

Bei allem berechtigten Lob für die großzügigen Finanzhilfen herrscht bei vielen UnternehmerInnen großer Unmut bis hin zu Verzweiflung über die schleppende Auszahlung der im Herbst gewährten sogenannten “Novemberhilfen”. Mangelhafte Software und schlechte Organisation haben hier erheblichen wirtschaftlichen Schaden angerichtet, Existenzen zerstört und das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Staates erschüttert. Gleiches gilt für die mangelhafte Vorbereitung und Umsetzung des Impfprogramms. Die EU wie auch die Bundesregierung sehen sich in Sachen Massenimpfung zu recht mit scharfer Kritik seitens der Wirtschaft und der Bevölkerung konfrontiert.

Und doch bleibt zusammenfassend festzuhalten: Deutschland ist bislang glimpflich durch die Pandemie gekommen. Dank der umfassenden Konjunkturprogramme kann der Neustart nach der vollständigen Aufhebung der Corona-bedingten Maßnahmen besser gelingen als befürchtet. Die gerade auch in der Wirtschaft an vielen Stellen zu beobachtende Solidarität, die Bereitschaft zum Schulterschluss zur Bewältigung der Krise, stimmen zuversichtlich und machen Mut.“

ITKAM bedankt sich bei der Interessenvereinigung Mittelständische Wirtschaft (IMW) für den wertvollen Gastbeitrag zur Status quo und Perspektiven in Deutschland und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Susan Friedrich

Mail. online@imw-ev.de
Tel.   +49 (0) 30 240 47 87 10

 

Christine Schattner  

Mail. cschattner@itkam.org

Tel. +49 (0) 69 97 14 52 26

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