Italiens Schulreform. Die tragende Rolle des dualen Ausbildungssystems.

Der kürzlich in der italienischen Zeitschrift „Il Rottamatore“ veröffentlichte Artikel des ITKAM-Präsidenten Emanuele Gatti zur Schulreform und zum dualen Ausbildungssystem. Das deutsche Duale System als Beispiel zur Förderung von Beschäftigung.

Die Schulreform steht kurz davor, verabschiedet zu werden. Das hoffen wir zumindest. In diesen Tagen wird darüber in und außerhalb der italienischen Parlamentssäle angeregt diskutiert. Der an erster Stelle aufgeführte Punkt, den Premierminister Renzi während seiner Präsentation der Schulreform ganz oben auf die Tafel schrieb, war die duale Ausbildung, also die Alternierung von Schule und Arbeit, die nicht nur ein grundlegendes Element für die Zukunft der Bildung ganzer Generationen darstellt, sondern auch für die wirtschaftliche Zukunft des Landes von entscheidender Bedeutung ist. Internationale Statistiken besagen, dass die weiterführende Bildung (auch die Hochschulbildung) in Italien zwar gute formelle Fähigkeiten, aber nicht ausreichende Kompetenzen für den Einstieg in die Arbeitswelt vermittelt. Die Studenten müssen also nach ihrem Abschluss noch weiter in praktische Bildung investieren, weil sie sonst nur schwer eine Beschäftigung finden. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Italien bezeugt dies zweifellos.

 

Die aktuelle Reform sieht also eine Alternierung Schule – Arbeit vor, durch die diese Bildungslücke geschlossen werden dürfte. Der Gesetzgeber hat sich an erfolgreichen internationalen Beispielen orientiert und bezieht sich daher sehr häufig auf das Duale System, das bereits seit Hunderten von Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und in ganz seltenen Fällen auch in Italien, praktiziert wird. Das Duale System baut auf einer Kombination aus Unterricht an einer Berufsschule und dem Sammeln theoretischer und praktischer Erfahrungen innerhalb eines für die Ausbildung zugelassenen Betriebs auf. So wird das Duale System zu einem eigenständigen Berufsbildungsweg.

 

Mit dem Begriff „Alternierung Schule-Arbeit“ kann man das duale Konzept, das in Deutschland praktiziert wird, nicht genau erklären. Er verdeutlicht nicht, auf welche Art und Weise sich die beiden Bereiche gegenseitig ergänzen, wie Yin und Yang, und wie sie dank ihrer Synergien zu einer fachspezifische Ausbildung beitragen. Eine Kommission der Bundesregierung aktualisiert regelmäßig die 350 Curricula der Ausbildungsberufe, um diese an die neuen Anforderungen der Arbeitswelt anzupassen. Die ausbildenden Unternehmen werden regelmäßigen und rigorosen Kontrollen durch die lokalen Handelskammern unterzogen. Die Handelskammern bearbeiten auch die Anträge, die von Unternehmen gestellt werden, die gerne Ausbildungsbetrieb werden möchten, und autorisieren diese zur dualen Ausbildung. Der Autorisierungsprozess ist sehr umfangreich, es werden dabei unter anderem die Qualifizierung des Ausbilders und das Berufsbild beurteilt. Der praktische Teil der Ausbildung dient also nicht nur dazu, dem Auszubildenden die für die Arbeitswelt entscheidenden Kompetenzen zu vermitteln, sondern sieht auch eine spezielle Unterstützung durch einen persönlichen Tutor vor, der sich um die theoretische Ausbildung innerhalb des Unternehmens kümmert. Die Aktivitäten des Auszubildenden müssen denen in seinem Ausbildungscurriculum vorgegebenen entsprechen.

 

Die Gesellschaft misst den auszubildenden Unternehmen und den Ausbildern, die die Auszubildenden bis zum Bestehen der bundesweit zentralisierten und gleichzeitig stattfindenden Abschlussprüfung unterstützen, großes Ansehen bei. Ein Dritter, in diesem Fall die lokale Handelskammer, gewährleistet gemäß der geltenden Richtlinien den korrekten Ablauf des gesamten Prozesses, die Eignung der Ausbildungsstätte, die Qualifikation des Ausbilders, die korrekte Durchführung der Ausbildung, die Autorisierung der Ausbildungsbetriebe und die Durchführung der Prüfungen, die in ganz Deutschland das gleiche Thema haben und zeitgleich stattfinden. Damit liefern die Handelskammern eine ganz wichtige Dienstleistung an ihre Mitglieder, denen dank der dualen Ausbildung qualifiziertes Personal zu Verfügung steht, das optimal auf die sich ständig ändernden Anforderungen der Arbeitswelt vorbereitet ist. Die Standardisierung bietet dem Arbeitnehmer zudem einen großen Vorteil im Bereich Mobilität, er ist bei einem Wechsel in einen anderen Betrieb flexibler. Auch die Gewerkschaften tragen eine entscheidende Rolle, denn sie überprüfen, dass die tägliche Ausbildung ohne Schwierigkeiten von Statten geht (schließlich sind gerade die Auszubildenden noch unsicher und leicht beeinflussbar) und sind gerade während der Orientierungsphase aktiv, in der die Auszubildenden ihre Wahl für ihren zukünftigen Berufsweg treffen. Ohne die Kontrolle durch die Handelskammern und die Gewerkschaften würde das Duale System sehr leicht zum Spielball für Manipulationen.

 

Das Duale System stellt ganz klar den Auszubildenden in den Mittelpunkt, da es das Ziel verfolgt, dem Auszubildenden durch die Vermittlung einer adäquaten Berufsbildung und guter Kompetenzen den sofortigen Einstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen. So wie es die Bundesbildungsministerin Andrea Nahles vor einiger Zeit bei ihrem Treffen mit dem Italienischen Minister für Arbeit und Soziales Poletti in Rom darstellte: „Es ist seltsam, dass ihr immer nur von Schule, aber nie von Arbeit sprecht.“ Wir müssen nicht einfach alles kopieren, andere Modelle genauso übernehmen wie sie sind, aber wir müssen sie den italienischen Gegebenheiten anpassen und dabei berücksichtigen, dass, wenn es um unsere Jugend und das Duale System geht, wir uns schon mit Deutschland vergleichen sollten, denn Deutschland weist eine Jugendarbeitslosigkeit von 6-7% auf, während sie in unserem Land bei 40% liegt. Wir sind also verpflichtet, für die junge Generation von heute und morgen ohne Oberflächlichkeit, ohne Slogans und ohne unnütze Mauern unser Bestes zu geben, um ihnen eine Garantie für die effiziente Vermittlung von Kompetenzen zum schnellen Einstieg in die Arbeitswelt bieten zu können.

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