Europäischer Arbeitsmarkt: Der Präsident der ITKAM spricht in den italienischen Nachrichten TG2 über die Lage in Deutschland

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Regel für den Arbeitsmarkt, Entlassung und der Artikel 18 des italienischen Grundgesetzes zur Unkündbarkeit, das sind immer wieder stark diskutierte Themen in Italien. In diesem Zusammenhang kommen häufig die Modelle anderer europäischer Länder zur Sprache.

Letzten Freitag vertieften die italienischen Nachrichten TG2 in einem Sonderbeitrag im Rahmen der 20.30h-Ausgabe die Lage des Arbeitsmarktes in Großbritannien, Spanien und Deutschland. In einem Interview berichtete Emanuele Gatti, Präsident der Italienischen Handelskammer für Deutschland, über die Situation auf dem deutschen Markt und verdeutlichte dabei auch die Sichtweise der Unternehmen.

Arbeitnehmer müssen neue Qualifizierungen erwerben

„Warum schließt ein Unternehmen? Weil es auf dem Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Ohne eine zusätzliche Qualifizierung finden die Arbeitnehmer dieses Unternehmens nur sehr selten eine geeignete Alternative“, so Emanuele Gatti im Interview.

Die Arbeitsämter weisen in ganz Deutschland eine flächendeckende Präsenz auf: 108.000 Angestellte erhalten Prämien für jeden Arbeitsuchenden, den sie an ein Unternehmen vermitteln oder zu einer beruflichen Weiterbildung oder Umschulung bringen.

Die letzte Arbeitsmarktreform geht auf 2004 zurück

Die letzte Reform des deutschen Arbeitsmarktes geht auf das Jahr 2004 zurück, also auf die Regierung Schröder.

Der Schutz der Arbeitnehmer wurde zwar minimiert, jedoch gilt die Kündigungsfreiheit nur für Unternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitern.

In der Regel setzt der Arbeitsrichter eine Abfindungssumme fest, gibt der Kündigung aber statt. Für schwangere, behinderte und ältere Arbeitnehmer besteht ein besonderer Schutz.

Unternehmen profitieren von der größeren Flexibilität und der Hochschulreform

Als großer Vorteil für die Unternehmen, und manchmal auch für die Arbeitnehmer, erweist sich die Flexibilität bei den Arbeitszeiten.

Die Geschichte beginnt 1993 bei VW: Hier sammeln die Arbeitnehmer ihre Überstunden auf einem Konto und bauen sie erst bei schwieriger Marktlage, also in Momenten geringerer Produktion ab. Dieses Modell ist bei den großen Unternehmen generell üblich, die Kurzarbeit hat Deutschland geholfen, die letzte Krise zu überwinden.

Die Kurzarbeit ist keine neue Erfindung, aber sie wurde genau zur richtigen Zeit und in den richtigen Bereichen eingesetzt”, erläutert Emanuele Gatti.

„In der Zwischenzeit wurden eine Reihe von Initiativen auf den Weg gebracht, für die keine Reformen notwendig waren, sondern eine Implementierung, wie z.B. die endgültige Umsetzung der Hochschulreform zur Entstehung von Exzellenzclustern und technologischer Innovation.

Der Gesamtbeitrag in italienischer Sprache [ab Minute 13.44]

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