So unterscheiden sich Wirtschafts- und Arbeitswelt in Deutschland und Italien (TV-Reportage im Fokus)

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Deutschland und Italien: Arbeitsmarkt, Handelsaustausch, aber auch die kleinen und großen Unterschiede im Alltagsleben und im täglichen Business. Darüber berichten wir heute und beziehen uns insbesondere auf eine TV-Reportage, die letzte Woche auf Rai 2 gesendet wurde.

Anna Paola Concia (frühere Abgeordnete und Journalistin) und ihre Lebenspartnerin Ricarda Concia leben seit kurzem in Deutschland. Sie berichten in ihrer Reportage über den Alltag, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Volkswirtschaften und Wirtschaftssysteme.

Arbeitskräftemangel ab 2020 in Deutschland

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[Interview von Anna Paola Concia mit Claudia Nikolai (Head of Business Delevopment Italy)  ab Minute 10:00]

Ab 2020 wird die deutsche Industrie mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen haben,” unterstreicht Claudia Nikolai in bezug auf den deutschen Arbeitsmarkt, der eine stabile, wenn nicht sinkende Arbeitslosenrate von6% aufweist.

Und fügt hinzu: “Man sagt, dass die Deutschen die Italiener lieben. In Wirklichkeit schätzen die Deutschen die Kreativität und Flexibilität der Italiener. Wir Italiener hingegen schätzen die Pünktlichkeit und die Vertrauenswürdigkeit deutscher Unternehmer”.

Was benötigt man, um in Deutschland zu arbeiten?

“Benötigt man Kontakte bzw. Empfehlungsschreiben, um in Deutschland einen Job zu finden?”, fragt Anna Paola Concia Claudia Nikolai.

“Nein. Was in Deutschland zählt ist weniger ein Empfehlungsschreiben als ein Referenzschreiben.  Für eine Bewerbung genügt also nicht der Lebenslauf, sondern es sollten ein bis mehrere Referenzschreiben früherer Arbeitgeber hinzugefügt werden. Dies ist ein offizielles, aber relativ neutrales Schreiben.  Benötigt wird also nicht der persönliche Kontakt bzw. die persönliche Empfehlung, sondern ein Ansprechpartner bei eventuellen Rückfragen zum Bewerber”.

“Wer auf Jobsuche in Deutschland ist, sollte aber gute Deutschkenntnisse vorweisen können,” so Claudia Nikolai weiter. Es ist also unabdingbar, erst Deutsch zu lernen und sich in einem zweiten Schritt in Deutschland zu bewerben“.

Die deutsche und die italienische Industrie? Gemeinsam erwirtschaften sie 1/3 des europäischen BIP

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 [Interview mit Emanuele Gatti (ITKAM-Präsident)  ab Minute 14:00]

“Unsere beiden Ländern sind auf das Produzierende Gewerbe fokussiert. Eine Industriezweig, der sehr exportorientiert ist und ca. 1/3 des europäischen BIP erwirtschaftet”.

Diese Daten lieferte uns Emanuele Gatti, Präsident der Italienischen Handelskammer für Deutschland e.V. (ITKAM), anlässlich des zweiten Deutsch-Italienischen Wirtschaftsforums vom vergangenen Mai in Rom und fügt hinzu, dass gerade das Forum “einen wichtigen Impuls zur weiteren Sträkung der deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen liefern kann – und zwar nicht nur in bezug auf den weiteren Ausbau des Handelsvolumens, als auch in bezug auf Investitionen und Unternehmenskooperationen”.

Deutschland und Italien: 2 komplementäre Wirtschaftssysteme

“Das deutsche Produktionssystem,” erläutert Emanuele Gatti, “erleichtert vieles: für sich wiederholende Produktionsabläufe ist Deutschland der ideale Standort. Italien ist hingegen im Servicebereich stärker, da Flexibilität gefragt ist und Italien gerade über diese verfügt. Auf diese Stärke müssen wir künftig bauen – auch im Servicebereich einzelner Industriezweige”.

“Kein Zufall, dass Deutschland und Italien seit Jahrzehnten einen intensiven Handelsaustausch haben,” unterstreicht Claudia Nikolai, “dies ist auf die Integration zwischen beiden Volkswirtschaften und der Komplementarität beider Produktionssysteme zurückzuführen”.

Deutschlands Stärke: die Lebenshaltungskosten

Eine wichtige Stärke Deutschlands im europäischen Vergleich: Verhältnis Durchschnittslohn und Lebenshaltungskosten.
“Im Jahre 2012 betrug der Durchschnittslohn in Italien 28.900 Euro für 1.752 Arbeitsstunden gegenüber 44.800 Euro Durchschnittslohn in Deutschland für 1.397 weniger Arbeitsstunden. Wir arbeiten also mehr, aber verdienen weniger und haben höhere Lebenshaltungskosten”.
Foto von hier: flickr/loungerie [CC BY-NC-SA]

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