Alessandro Villa: „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es ganz wichtig, im Ausland präsent zu sein.“

In unserem Blog haben wir bereits einige Videos mit Interviews zum Thema Automotive veröffentlicht, die wir auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt eingefangen haben.

Nachdem wir bereits die Meinungen eines Analysten der europäischen Automobilbranche und des Geschäftsführers von ANFIA  [Italienischer Verband der Automobilindustrie] gehört haben, kommt nun ein italienisches Unternehmen zu Wort.

Wir interviewten Alessandro Villa, Vertriebs- und Marketingleiter bei Italian Gasket, einem im Bereich Autobauteile spezialisierten Unternehmen. Italian Gasket erwirtschaftet einen Umsatz von 25 Millionen Euro, die Kunden stammen zum überwiegenden Teil aus Deutschland.

Vier entscheidende Aspekte, um in der Automotive-Branche wettbewerbsfähig zu bleiben

Wir fragten Alessandro Villa nach seinen Erfahrungen und baten ihn, uns 4 Aspekte zu nennen, die seiner Meinung nach wichtig sind, um auch in einer Zeit, in der der Markt der Automobilindustrie unter einem sehr starken Druck steht, wettbewerbsfähig zu bleiben.

  1. Kontinuität beim Humankapital
  2. Weiterentwicklung in Zusammenarbeit mit den Kunden
  3. Auslandsniederlassungen, auch wenn es nur kleine Niederlassungen sind, so können sie doch den Bedürfnissen der Kunden nachkommen
  4. Finanzielle Mittel, um auch global aktiv sein zu können

Im Ausland präsent zu sein ist ganz entscheidend

Ein Leitmotiv finden wir in allen auf der IAA in Frankfurt geführten Interviews wieder: Im Ausland präsent zu sein ist ganz entscheidend, um die Schwächen des Binnenmarktes auszugleichen und die Kunden bei der Entwicklung des Produktes vor Ort betreuen zu können.

Das gesamte Interview mit Alessandro Villa.

Alessandro Villa: Der Markt der Automotive-Branche aus Sicht der Unternehmen

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Ein Kurzporträt: Italian Gasket S.p.A.

Italian Gasket ist seit 35 Jahren auf dem Markt aktiv. Neben seinem Hauptsitz in Paratico in der Provinz von Brescia besitzt das Unternehmen noch weitere 2 Produktionsstätten. Eine in Rajka in Ungarn, die in erster Linie die Nachfrage von Audi abdeckt, und eine kleinere in Wuxi in China, nicht weit von Shanghai. Das Unternehmen verfügt über insgesamt 80 Maschinen, beschäftigt etwa 250 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Gesamtumsatz von circa 25 Millionen Euro.

Bereits vor 25 Jahren fällte Italian Gasket eine Entscheidung, die sich als strategisch kluger Schachzug erwies: der deutschen Automotive-Branche den Vorzug geben. Heute stammen die Kunden von Italian Gasket in erster Linie aus Deutschland, auch wenn das Unternehmen seine Produkte ebenfalls in der ganzen Welt vertreibt.

Drei entscheidende Aspekte, um in der Automotive-Branche wettbewerbsfähig zu bleiben

Ich glaube, dass die Vergangenheit uns einige ganz wichtige Dinge gelehrt hat:

  • Der erste Aspekt: Kontinuität, sprich Stabilität beim Humankapital. Der deutsche Kunde möchte gerne immer mit den gleichen Personen sprechen und im Kontakt stehen, um so Langzeit-Verträge und –Vereinbarungen aufzubauen.
  • Der zweite Aspekt  ist etwas spezifischer:  Nicht nur mit den Einkäufern verhandeln, also über die wichtigen aber eben nicht ausreichenden Schritte Angebot, Preisverhandlung, Ein- und Verkaufsbedingungen hinausgehen und sich mit seinen eigenen R&D-Leuten in den Forschungsabteilungen der Kunden einnisten.
  • Der dritte Aspekt, der allerdings bestimmte finanzielle Mittel voraussetzt: mehrere Niederlassungen weltweit, die zwar nicht unbedingt riesengroß sein müssen, aber in der Lage sein sollten, große Kunden bei global ausgelegten Projekten zu betreuen.
  • Dieser Aspekt bringt dann allerdings noch einen vierten und letzten Aspekt mit sich: die Verfügbarkeit über bestimmte finanzielle Mittel, die natürlich von der Größe des Unternehmens abhängt. Uns ist bewusst, dass die italienischen Unternehmen an „angeborenem Kleinwuchs“ leiden. Es ist aber wichtig für ein Unternehmen, über genügend finanzielle Mittel zu verfügen und sich Partner zu suchen, mit denen es ein kleines globales Projekt umsetzten kann.

Die Beziehungen der italienischen und der deutschen Automobil-Zulieferindustrie

Die Automotive-Branche steht heutzutage vor großen Schwierigkeiten, dafür gibt es unterschiedliche Gründe.

Einer der Hauptgründe ist die sogenannte Overcapacity bzw. die Überkapazität der europäischen Produktionsstätten. Das bedeutet, dass es innerhalb der nächsten 10 Jahre wahrscheinlich nicht notwendig sein wird, die in Europa angesammelte Produktionskapazität zu nutzen. Sowohl die Deutschen als auch die Italiener sollten sich definitiv nach anderen Märkten umschauen. Daraus entsteht die Notwendigkeit, mehr noch für italienische als für deutsche Unternehmen [denn die deutsche Industrie verfügt über eine gewisse Größe zur Umsetzung solcher Schritte] so groß zu werden, dass sie auch auf globaler Ebene mitwirken können.

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