Jens Schattner: warum sich der italienische Automobilsektor internationalisieren muss

Welche Strategie muss ein italienisches Automobilunternehmen fahren? Die Strategie muss auf eine weitere Öffnung hinauslaufen, d.h. die Globalisierung muss angenommen werden und das Unternehmen muss sich internationalisieren.

Diese Meinung vertritt Jens SchattnerAnalyst für Macquarie Automotive Research: ein internationales Unternehmen, das den europäischen und asiatischen Automobilmarkt im Fokus hat.

Im Interview, das wir letzte Woche veröffentlicht haben, hat Gianmarco Giorda, Geschäftsführer von ANFIA,  über den Mehrwert der italienischen Automobilindustrie gesprochen. Das heutige Interview zeigt die andere Seite der Medaille, nämlich “ein Sektor, der unter schwerem Druck steht”, und zwar in ganz Europa.

Der Tenor beider Interviews ist aber derselbe: die Internationalisierung ist für die italienischen Automobilunternehmen fundamental. Denn, so erklärt Schattner weiter, “um seinen Marktanteil zu sichern, müssen italienische Produzenten dem Beispiel italienischer Marken wie Fiat oder Pirelli folgen, die die Schwäche des italienischen und europäischen Marktes mit starken Gewinnanteilen im Ausland ausgleichen”.

Im folgenden das Video mit dem gesamten Interview in deutscher Sprache [der italienische Untertitel kann aktiviert werden] .

Die italienische Automobilindustrie – Meinung eines Experten

//www.youtube.com/embed/TkHxLDoo-rY“ width=“740″ height=“422″]

 

Macquarie Automotive Research: eine Kurzpräsentation

Das Macquarie Automotive Research besteht weltweit aus rund 16 Analysten, von denen ich einer von 2 Analysten in Europa bin und weitere 14 Analysten den asiatischen Raum von der Automobilseite abdecken. So haben wir in China,  in Südkorea, in Japan und in Indien eine Vielzahl von Analysten, die den Automobilsektor weltweit verfolgen.

Die aktuelle Lage des italienischen Automobilmarktes: eine Einschätzung

Der italienische Automobilmarkt ist im Moment unter schwerem Druck. Wir gehen davon aus, dass wir dieses Jahr auf der Passenger Car-Seite ein Volumen sehen werden von ungefähr 1,3 Millionen Einheiten. Man muss sich hier vor Augen führen, dass wir hier deutlich unter den 2,5 Millionen Einheiten liegen, die wir in 2010 gesehen haben. Das heißt wir haben es im italienischen Automobilmarkt mit einer starken Überkapazität zu tun, die noch höher liegt als was wir in Europa sehen mit einer Überkapazität von ungefähr 30% bis 40%.

Wie kann sich ein Produzent eine guten Marktanteil sichern?

Die italienische Automobilindustrie profitiert in weiten Teilen davon, dass sie eine historisch gewachsene, starke Präsenz in Lateinamerika haben. So haben beispielsweise ein Automobilhersteller wie FIAT oder ein Reifenhersteller wie Pirelli eine sehr, sehr starke und dominierende Position auf dem lateinamerikanischen Automobil- und Reifenmarkt. Und dadurch sind diese Unternehmen in der Lage, die Schwäche in Italien und in Europa mit starken Gewinnanteilen, die sie im Moment in Lateinamerika generieren, auszugleichen.

Die strategische Ausrichtung der italienischen Automobilindustrie: ein Ausblick auf die nächsten 5 Jahre

Ich denke eine wichtige strategische Entscheidung für italienische Unternehmen liegt in der Internationalisierung. Die Globalisierung schreitet weiter voran. Das Wachstumspotential für die globale Automobilindustrie wird ganz klar in den Emerging Markets stattfinden. Märkte wie China, Brasilien und Russland werden hier im Fokus stehen.

Man muss sich hier vor Augen führen, dass ein europäisches Automobilunternehmen höchstwahrscheinlich spätenstens in 2-3 Jahren mehr als die Hälfte seiner Umsätze außerhalb von Europa tätigen wird. Das heißt hier ist es für die italienischen Unternehmen sehr, sehr wichtig sich zu öffnen, die Globalisierung anzunehmen und sich zu internationalisieren.

Hinterlasse eine Antwort