Gianmarco Giorda: Warum die italienische Automotive-Branche so viel nach Deutschland exportiert

In Italien sind in der Automotive-Branche ca. 1,2 Millionen Menschen beschäftigt, sie macht 11% des italienischen BIPs aus. Deutschland ist das wichtigste Exportland für Bauteile.

Das berichtet uns Gianmarco Giorda, Leiter des ANFIA (Italienischen Verbands der Automobilindustrie), der den gesamten italienischen Automotive-Sektor vertritt: von den Autobauern bis hin zu den Bauteilherstellern.

Wir trafen und interviewten ihn bei der IAA in Frankfurt, dem europaweit wichtigsten Event für die Automobilindustrie [hier unser Bericht über die Ausgabe 2013].

In seinen Antworten auf unsere Fragen verdeutlichte Giorda immer wieder, dass es die Internationalisierung sei, die den italienischen Unternehmen ermöglicht, kompetitiv zu bleiben: „Der stützende Pfeiler der italienischen Automotive-Branche sind die Klein- und Mittelstandsunternehmen, die die Chancen der Globalisierung zu ihrem Vorteil genutzt haben.“

Auch die Deutschen“ fährt Giorda fort „wissen die Brillanz und das Potential unserer Industrie sowie unsere innovativen und modernen, hochtechnologischen Produkte zu schätzen.“

Im Folgenden das Video und/oder der Bericht des gesamten Interviews.

Gianmarco Giorda: „Die Besonderheiten der italienischen Automobilbranche“

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Ein Kurzporträt: Der Italienische Verband der Automobilindustrie ANFIA und seine Mission

ANFIA ist der Italienische Verband der Automobilindustrie und einer der wichtigsten italienischen Fachverbände, die dem Dachverband Confindustria angehören. Wir vertreten den gesamten Automotive-Sektor: von den Bauteilproduzenten über die Reifenhersteller und die Autobauer bis hin zu den Industriefahrzeug- und Busherstellern. Also alle, die irgendwie mit vier Rädern zu tun haben, werden in Italien von unserem Verband vertreten.

Wie alle anderen Fachverbände verfolgen auch wir das Ziel, die Branche nicht nur in Italien, wo wir in engem Kontakt mit den für unseren Sektor wichtigen Ministerien stehen, sondern auch europaweit und international zu vertreten. Deshalb gehören wir einer Reihe von Gremien an, in denen die Normen für die Automotive-Industrie festgesetzt werden.

Der Mehrwert der italienischen Automobilindustrie auf internationaler Ebene

Bei einem Vergleich mit anderen ähnlich positionierten Ländern (also einigen EU-Ländern und den USA) spielt Italiens Automotive-Branche eine ziemlich große Rolle und das Land positioniert sich recht weit vorne.

Schließlich sind in der italienischen Automotive-Branche 1,2 Millionen Menschen beschäftigt. Die Branche macht 11% des italienische BIPs aus und erwirtschaftet die höchsten Steuereinkünfte für das Land.

Der italienische Automotive-Sektor bietet im Vergleich zu denen der anderen Länder außerdem noch weitere Vorteile. Wir verfügen über sehr kompetitive und technologisch fortschrittliche Unternehmen, die bestimmte Nischen, Sektoren und Bereiche wie z.B. die Bauteilproduktion abdecken und die sich so erfolgreich auf dem Markt behaupten. Ich spreche von Brembo, Sogefi, Magneti Marelli, von multinationalen Unternehmen also, die ihren Sitz und ihre Führung zwar in Italien haben, aber über mehrere Produktionsstätten in der ganzen Welt verfügen.

Diese und viele andere Unternehmen haben die Chancen, die ihnen die Globalisierung geboten hat, genutzt. Sie haben, ich möchte nicht sagen delokalisiert -denn das wäre der falsche Begriff- sondern sich internationalisiert, also die Produktion und Konstruktion in China, Brasilien und Indien durchführen lassen und dort auch eigene Produktionsstätten aufgebaut. Diese Mittelstandsunternehmen stellen zusammen mit viele Kleinunternehmen ganz sicher den Stützpfeiler der Automotive-Branche in Italien dar. Es sind Unternehmen, die ihren Sitz in Italien haben, aber –wie bereits erwähnt-  auch die Chancen der Globalisierung zu ihrem Vorteil genutzt haben.

Die Beziehungen zwischen der italienischen und deutschen Automobilindustrie

An dieser Stelle nehme ich erneut Bezug auf das zuvor Gesagte: Viele Unternehmen der italienischen Bauteilbranche haben die Chance genutzt und sich internationalisiert. Daher haben sie zum Großteil ausländische Kunden. Inzwischen haben 60-70% der Unternehmen der italienischen Bauteilindustrie neben dem nationalen Autobauer FIAT noch weitere Kunden.

Deutschland ist ohne Zweifel das wichtigste Exportland für die italienische Bauteilindustrie. Der größte Umsatz erfolgt durch den Export der Bauteile von Italien nach Deutschland, aber einige Unternehmen haben auch Produktionsstätten in Deutschland. Ein großer Anteil der Einkäufe von Seiten der deutschen Autohersteller -ich spreche hier von VW, BMW und Mercedes- wird in der Tat durch italienische Bauteile abgedeckt.

Auch die Deutschen wissen die Brillanz und das Potential unserer Industrie sowie unsere innovativen und modernen, hochtechnologischen Produkte zu schätzen.

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