“Die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern weiter stärken". Die Rede zur Eröffnung des Deutsch-Italienischen Wirtschaftsforums

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Gestern fand in Frankfurt am Main das erste Deutsch-Italienische Wirtschaftsforum statt, das direkt auf diesem Blog über Live blogging in italienischer Sprache verfolgt werden konnte.

Heute veröffentlichen wir die Eröffnungsrede von Prof. Dr. Emanuele Gatti, Präsident der Italienischen Handelskammer für Deutschland e.V..

Gatti sprach von den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Italien, “zwei Märkte, die einen jährlichen Handelsaustausch von über  100 Milliarden Euro haben”,  und der Notwendigkeit die althergebrachte Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien in diesem historischen Moment zu überdenken.

“Die seit einigen Jahren andauernde Wirtschaftskrise hat nunmehr eine Dimension erreicht, die uns aktuell an den Grundpfeilern unseres Wirtschaftssystems in Europa zweifeln lässt: die gemeinsame Währung, der europäische Binnenmarkt, die europäischen Institutionen. Ein solch grundlegender Wandel beeinflusst auch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Italien und Deutschland”.

Der Präsident der ITKAM hat das Forum als ideale Plattform präsentiert, um die Kernaufgabe der Kammer in den Mittelpunkt zu stellen:  eine interkulturelle Brücke zwischen beiden Ländern schaffen, um die Kooperation zwischen deutschen und italienischen Unternehmen weiter voranzutreiben.

“In Bezug auf die deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen sind wir im Übrigen der gleichen Überzeugung wie Hannibal, als ihm der General mitteilte, es wäre unmöglich die Alpen zu überqueren: „Aut viam inveniam aut faciam”: entweder wir finden einen Weg oder wir machen einen!”

Zum Abschluss seiner Rede hat der Präsident bereits das nächste Deutsch-Italienische Wirtschaftsforum angekündigt, das im Jahr 2014 in Rom stattfinden wird.

Anbei die Rede von Emanuele Gatti.

Rede Dr. Emanuele Gatti zur Eröffnung des Deutsch-Italienischen Wirtschaftsforums

18. Juni 2013, Frankfurt

Das heutige Forum haben wir nach dem großen Erfolg des Kongresses „Italien: Innovation und Faszination“ ins Leben gerufen, den die Italienische Handelskammer für Deutschland anlässlich des 100jährigen Bestehens im November 2011veranstaltet hat.

Wir wollen heute dem damaligen Kongress Kontinuität geben.

Die seit einigen Jahren andauernde Wirtschaftskrise hat nunmehr eine Dimension erreicht, die uns aktuell an den Grundpfeilern unseres Wirtschaftssystems in Europa zweifeln lässt: die gemeinsame Währung, der europäische Binnenmarkt, die europäischen Institutionen.

Ein solch grundlegender Wandel beeinflusst auch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Italien und Deutschland, so dass die Italienische Handelskammer für Deutschland die Notwendigkeit gesehen hat, ein Diskussionsforum zur Analyse der aktuellen Beziehung dieser beiden Märkte zu initiieren.

Als Ergebnis erwarten wir Lösungsansätze, die von den Unternehmen und der Politik in die Tat umgesetzt werden können, und sollen, damit Italien und Deutschland ihre traditionell starke Wirtschaftsbeziehung fortsetzen.

Dass diese Diskussion auch außerhalb des reinen deutsch-italienischen Kontextes eine große Bedeutung hat, steht außer Frage. Wir sprechen hier von der stärksten und drittstärksten Nation in Europa. Wir sprechen von zwei Märkten, die einen jährlichen Handelsaustausch von über 100 Milliarden Euro haben.

Wir sind der Überzeugung, dass es in diesem delikaten historischen Moment vor allem notwendig ist, die althergebrachte Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien zu überdenken. Die Zeit verlangt die Erarbeitung neuer Strategien, die jedoch auf die vorhandene Tradition und auf das bestehende starke Zusammenwirken beider Länder aufbauen sollten.

Mit der heutigen Veranstaltung erfüllen wir eine Kernaufgabe unserer Kammer:

Unser Ziel ist seit 102 Jahren, den Dialog zwischen den italienischen und den deutschen Unternehmen zu erleichtern. Und genau dieser Aufgabe widmen wir uns seitdem mit dem stets gleich bleibenden hohen Engagement, mit Kompetenz und Leidenschaft. Unsere Tätigkeiten haben sich im Laufe der Jahre der aktuellen Wirtschaftssituation angepasst. Sie haben sich in Bezug auf die Branche und auf das geographische Spektrum erweitert.

Wir sind sehr stolz darauf, dass uns der italienische Staat durch die „amtliche Anerkennung“ als bilaterale Kammer einen institutionellen Status gegeben hat, den wir sehr ernst nehmen. Es ist für uns heute daher auch ein besonderes Zeichen der Anerkennung, dass uns hohe Vertreter deutscher und italienischer Ministerien durch ihre Präsenz ehren.

Unser Beitrag zur Intensivierung der deutsch-italienischen Beziehungen geht jedoch über die bloße Anbahnung von Geschäftskontakten hinaus. Wir schaffen eine interkulturelle Brücke zwischen Italien und Deutschland. Erst wenn wechselseitig mehr Verständnis für die kulturellen Unterschiede aufgebracht wird, kann fruchtbar Handel betrieben werden. In jeder Branche und in jeder Epoche.

Die Deutschen und die Italiener haben schon immer ein besonders intensives Verhältnis zueinander gehabt. Trotzdem hat jede Kultur, und darunter verstehen wir auch die kulturellen Auswirkungen im Geschäftsalltag, ihre Besonderheiten.

Der Weg von A nach B in Deutschland verläuft in der Regel gerade und in klar strukturierten Etappen. In Italien passt man für den gleichen Weg die Route immer wieder der aktuellen Situation an. Welcher Weg ist der richtige? Natürlich beide; die Kunst besteht darin, die Unterschiede zu erkennen und zu respektieren. Wesentlich ist deshalb die Funktion einer Kammer, die beide Welten kennt und als „kultureller Mittler“ agiert. Eine Kammer, die dabei hilft zu erkennen, dass die einmal gesteckten Ziele, unabhängig von der jeweiligen Herangehensweise, nicht nur identisch sind, sondern am besten gemeinsam erreicht werden können.

Das Deutsch-Italienische Wirtschaftsforum ist somit für uns auch ein Stück interkulturelle Arbeit, ein Beitrag zur Diskussion über Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Italien, denn gerade diese kommen uns als Werkzeug im internationalen Wettbewerb zugute.

Das Motto der Veranstaltung, zwei Hände die ein Geschäft abschließen, aber auch zwei Hände die ihre Ähnlichkeit erkannt haben und absiegeln, ist Sinnbild für das, was wir als Grundlage unserer Tätigkeit sehen und für das, was wir durch die heutige Diskussion für Deutschland und Italien erreichen möchten.

Diese beide Hände stehen auch für einen weiteren Aspekt unserer Kammer: das Zusammensein, also das Netzwerk.

Die Italienische Handelskammer für Deutschland als Wirtschaftsverein ist vor allem ein Netzwerk von Unternehmen. Sie, meine Damen und Herren im Publikum, unsere Mitglieder, machen uns stark! Sie gehören zu den Unternehmen, die sich freiwillig engagieren, um ein Netzwerk aufrecht zu erhalten, das den wirtschaftlichen Austausch beider Länder animiert. Dieses Forum selbst wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung unserer Mitglieder, denen ich herzlich danke: die Deutsche Bank, eines unserer ältesten Mitglieder, DLA Piper und GiGroup, GENERALI Versicherungen, Rödl und Partner, UPS und CBA Studio Legale e Tributario.

Zusammenarbeit und Integration sind brandaktuelle Themen. Gerade das italienische Wirtschaftsmodell – „piccolo è bello“ (klein ist schön) – wird durch das Voranschreiten der großen Wirtschaftsmächte sehr hart auf die Probe gestellt.

Vernetzung, internationale Kooperation, Austausch der Nachwuchskräfte heißt deshalb die Devise, um auf dem heutigen Markt bestehen zu können. Hier kann die deutsch-italienische Zusammenarbeit eine gute Lösung bieten. Eine Lösung die selbstverständlich für Deutschland und Italien im gleichen Maße vorteilhaft ist, weil ich keine zwei anderen Märkte kenne, deren Industrielandschaften so zueinander passen wie Deutschland und Italien.

In Bezug auf die deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen sind wir im Übrigen der gleichen Überzeugung wie Hannibal, als ihm sein General mitteilte, es wäre unmöglich die Alpen zu überqueren: „Aut viam inveniam aut faciam“: entweder finden wir einen Weg oder wir machen einen!

Und dieser Weg wird uns – wie alle Wege – auch bald nach Rom führen. Die italienische Hauptstadt haben wir nämlich als Austragungsort für das nächste Deutsch-Italienische Wirtschaftsforum im Jahr 2014 ausgewählt. 

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