Warum Unternehmen und Studenten von Auslandspraktika profitieren

Tirocinio in Germania

 

“Deutschland sucht derzeit Fachkräfte in Ländern wie Italien, Griechenland und Spanien “.

Dies ist, nach Meinung von Rachel Garcia Aneiros, einer der Gründe, warum Jugendliche ein Praktikum im Ausland absolvieren sollten. Mit einem Auslandspraktikum in Deutschland öffnet sich die Tür zur Arbeitswelt in einem Land, in dem junge Arbeitskräfte gesucht werden.

Rachel Garcia Aneiros arbeitet für die Genossenschaft Consorzio Arezzo Innovazione zugunsten en des Projektes Competer II, ein über das Leonardo-Programm finanzierte Projekt, an dem Italienische Handelskammer für Deutschland e.V. mit arbeitet.

Warum gerade ein Praktikum in Deutschland?

Mit dem Projekt Competer II sind 500 Jugendliche aus der Provinz Arezzo für ein Auslandspraktikum ausgwewählt worden. In Deutschland war die Italienische Handelskammer für Deutschland der Kooperationspartner, der die Jugendlichen bei ihrem Eintritt in die Arbeitswelt und ihrem Aufenthalt in Deutschland unterstüttzt hat.

Rachel Garcia Aneiros hat uns von den Vorteilen für die Jugendlichen berichtet, die an dem Projekt und somit an einem Auslandspraktikum teilgenommen haben.

“Die Arbeitskultur in Deutschland und Italien sind sehr unterschiedlich, deshalb ist es für die Jugendlichen sehr wichtig den Markt , die Bedingungen für einen Eintritt in die Berufswelt kennenzulernen, in dem beispielsweise auch der Lebenslauf den Anforderungen des Gastlandes angepaßt werden, zudem informiert man sich über die individuellen Anforderungen des Unternehmens, das Miteinander der Arbeitskollegen  usw…”

Warum sollte man Praktikanten einstellen?

Welchen Vorteil haben die am Projekt CompeTer teilnehmenden Unternehmen, die Jugendliche in ihren Betrieben aufnehmen?

Die Betriebe lernen europäische Programme kennen und profitieren von den Möglichkeiten der Finanzierung der Projekte. Zudem kann das Unternehmensteam von den ausländischen Praktikanten profitieren, um Geschäftspartner im Ausland zu finden und das Unternehmensnetzwerk europaweit auszubauen.

Diese Möglichkeiten haben in diesem Jahr unterschiedlichste Unternehmen genutzt, die Jugendliche in den Bereichen Kulturkommunikation, Management von KMUs, E-Business, Erneuerbare Energien und Gastronomie weitergebildet haben.

Anbei das mit Rachel Garcia Aneiros geführte Interview.

Rachel Garcia Aneiros: das Projekt CompeTer II hat 500 Jugendliche für ein Praktikum ins Ausland gebracht

Wie sieht das CompeTer-Projekt aus und an wen ist es gerichtet?

Das Projekt “CompeTer_II – Neue Kompetenzen zur wirtschaftlichen Entwicklung vor Ort II.” (Mobilitätsprojekt Leonardo Da Vinci) wird von der GenossenschaftConsorzio Arezzo Innovazione realisiert und ist ein wichtiger, kontinuierlicher Bestandteil für die berufliche Weiterentwicklung zur Förderung der internationalen Mobilität, die bereits seit dem Jahre 2005 besonders gefördert wird. Dank dieses Projekt, das von den verschiedenen Industrieclustern in der Provinz Arezzo unterstützt wird, hat einen EU-Zuschuss von rund 2 Millionen Euro und Auslandserfahrungen für rund 500 Jugendliche gebracht.

Das Projekt wird in Zusammenarbeit der Provinzverwaltungen von Arezzo, Siena und Grosseto, mit der Gemeinde von Siena und demUniversitätszentrum für Innovation und Qualität der Universität von Siena (UnisiPA) realisiert.

Ziel des CompeTer II-Projektes ist es, jungen Diplomierten und/oder Hochschulabsolventen ein Auslandspraktikum zu ermöglichen, umfach- und länderübergreifendeKompetenzen zu erwerben, die dann dem lokalen Wirtschaftssystemn, seiner Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich dienen können.

Dieses Projekt soll tatsächlich dem lokalen Wirtschaftssystem dienen insbesondere den KMUs in den Bereichen Marketing, Kommunikation, Logistik, E-Business und neue Kommunikationstechnologien, Tourismus, Erneuerbare Energien, Umwelt und Landwirtschaft, und zwar durch den Erwerb vom Key Competences die die Innovation fördern und die Öffnung gegenüber dem globalen Markt erleichtern.

Die Bereiche, in den Praktika absolviert werden, reichen von Kulturkommunikation bis zu Management von KMUs, unter Einbeziehung von Erneuerbaren Energien und Gastronomie: welchen Vorteil bringt diese Beziehung zwischen Deutschland und Italien im Ausbildungsbereich in genau diesen Branchen? Und noch spezifischer, welchen Vorteil haben die Praktikanten und welche der Ausbildungsbetrieb?

Infolge eines aktiven Vergleichs der Partner, einer genauen Analyse, Studien und Best Practices auf dem Arbeitsmarkt beinhaltet dieses transnationale Projekt  insbesondere folgende innovative und länder- wie fachübergreifende Elemente:

  • Unternehmergeist, es schafft also einen Anreiz “für  Kompetenzen”. Für die involvierten Bereiche bedeutet dies in der Tat die Schaffung neuer Unternehmen, neuer freiberuflicher Tätigkeiten, die nicht nur für die Jugendlichen, sondern für das gesamte lokale Wirtschaftssystem von Vorteil sind.
  • GreenCompetitiveness als prinzipielle Ausrichtung der Auslandsunternehmen unabhängig vom eigentlichen Tätigkeitsbereich.
  • Anerkennung der Kompetenzen, von den Jugendlichen im Rahmen des Mobilitätsprojekt erworben, die sich in Einklang mit den EU-Empfehlungen insbesondere EQF, EQARF und ECVET befinden.

Für die Ausbildungsstelle, die lokale Unternehmen, hat dies insbesondere dieBereicherung des Unternehmensteams  zum Vorteil und ein Vergleich mit der Unternehmensrealität anderer Länder. Die Erfahrungen mit den Austauschprogrammen im Rahmen von Leonardo da Vinci haben jedoch eine gewisse Abneigung vieler Unternehmen gegenüber Praktikanten zum Vorschein gebracht, obwohl diese zur Internationalisierung der Unternehmen und somit zur regionalen Wirtschaftsentwicklung beitragen.

Für die Gesellschaften, die bereits auf dem europäischen Markt präsent sind, können die Praktikanten einen wesentlichen Beitrag zum internationalen Vertrieb, zur Marktanalyse, zur  Produktverbesserung und Angleichung an die Auslandsmärkte u.ä. leisten. 

Ein weiterer Vorteil für die hosting organization (lokale Unternehmen, die Praktikanten aufnehmen) ist sicherlich die Kontaktaufnahme im Rahmen von europäischen Programmen. Denn viele Unternehmen kennen weder die Finanzierungsmöglichkeiten europäischer Programme noch potentielle Partner, die ihrerseits Partnerunternehmen und deren Know-how für ausgewählte Branchen suchen. Dieses Projekt erleichtert also den Zugang zu künftigen Projekten.

Das Leonardo Da Vinci-Projekt umfasst Kosten für Reise, Unterkunft und Sprachkurse der Teilnehmer sowie eine Haftpflichtversicherung. Dadurch wird  den Unternehmen ermöglicht, von dem Erfahrungsschatz eines Praktikanten zu profitieren, ohne das gesamte Procedere mit der Ausstellung umfangreicher Formulare selbst durchlaufen zu müssen.

Die Praktikanten, die an einem Praktikum in Deutschland interessiert sind, kommen insbesondere in den Genuss folgender zweier Vorteile:
1. Die kulturelle Diversifikation und die Berufserfahrung. Die Arbeitskultur in Deutschland und Italien ist sehr unterschiedlich, deshalb ist es wichtig, andere Märkte und Kulturen kennenzulernen, um die eigene Bewerbung, den eigenen Lebenslauf den Anforderungen des Gastlandes anzupassen, um die Unternehmensanforderungen und das Miteinander der Kollegen kennenzulernen usw.

2. Eintritt in einen aufstrebenden Markt. Deutschland sucht derzeit nach Fachkräften in Ländern wie Italien, Griechenland und Spanien. Das Leonardo-Stipendium ist ein guter Ausgangspunkt um Selbstsicherheit zu gewinnen, die Sprachkenntnisse zu verbessern und die lokale Kultur besser kennenzulernen. Eine dreimonatige Praktikumserfahrung ist eine Grundlage für diejenigen, die in Deutschland leben und arbeiten möchten.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Italienischen Handelskammer für Deutschland ?

Die Italienische Handelskammer für Deutschland hat eine Mittlerrolle eingenommen, ohne die das Projekt nicht realisierbar gewesen wäre.

Die Aufgaben der Kammer im Rahmen des Projektes lagen in der:

  1. Analyse der Teilnehmerprofile und der Erstkontaktaufnahme mit lokalen Unternehmen: zu allererst informiert die Kammer lokale Unternehmen über das Leonardo da Vinci-Projekt und schlägt ein Training Agreement (TA) vor, in dem die Unternehmen die Aufgaben des Praktikanten erläutern und die Kompetenzen, die der Praktikant im Laufe des Praktikums erwerben soll.
  2. Information des Praktikanten über den Ausbildungsbetrieb, den jeweiligen Tutor, Anschrift und TA.
  3. Unterkunftssuche: die Kammer kümmert sich um die Unterkunftssuche vorzugsweise in multikulturellem Ambiente und liefert Kontakte zu Deutschen, um den Praktikanten die Integration zu erleichtern.
  4. Organisation des Sprachkurses in Zusammenarbeit mit einer lokalen Sprachschule.
  5. Wichtige Informationen bei der Ankunft in der Stadt, zu Lebensweisen, Transportwesen u.ä. werden den Teilnehmern übermittelt
  6. Vorbereitung der gesamten, notwendigen Dokumentation zur Finanzierungsanerkennung für jeden Praktikanten des Leonardo Da Vinci-Projektes.

 

Foto von hier: flickr/Jasmic

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