Wann und warum lohnt es sich, in Deutschland ein Unternehmen zu gründen? Ein Interview mit dem Rechtsanwalt Centamore

Mehr als 1700 von italienischen Unternehmern gegründete Firmen in Deutschland: so die Zahlen aus dem in 2009 vom Deutschen Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Bericht.

Warum entscheidet sich  ein Unternehmer, eine Firma in Deutschland zu gründen? Welche Unterschiede gibt es zwischen den deutschen und italienischen Gesellschaftsformen?

Laut der Erfahrungen des Rechtsanwalts Rosario Centamore von der Kanzlei Centamore & Loghman-Adham in Offenbach ist es in erster Linie die Internationalisierung, die die Unternehmen antreibt, in Deutschland Fuß zu fassen:

„Ein italienischer Unternehmer, der europaweit expandieren möchte, gründet zunächst eine Firma in Deutschland, um so den eigenen Marktanteil zu vergrößern.”

Eine Frage der Nähe und des Vertrauens

Man sollte allerdings von Fall zu Fall abwägen, ob es sich für das Unternehmen mehr lohnt, von Italien aus auf dem deutschen Markt zu operieren oder direkt eine neue Firma in Deutschland zu gründen.

Rosario Centamore erläutert es uns anhand eines Beispiels genauer:

„Ein von mir betreutes italienisches Unternehmen kam einfach nicht an den deutschen Kunden heran, der aufgrund der Entfernung und der Tatsache, dass es sich um eine im Ausland ansässige Firma handelte, kein großes Vertrauen aufbauen konnte.  Innerhalb kürzester Zeit gründete der italienische Unternehmen, nach wie vor in der gleichen Spate, in Deutschland eine GmbH und konnte so seine Business-Aktivitäten deutlich steigern.“

Man muss also abschätzen, ob der Vertrauensaufbau bei der Entwicklung des eigenen Business in Deutschland eine entscheidende Rolle spielt.

Steuern in Deutschland

Der Druck, der durch die zu zahlenden Steuern ausgelöst wird (obwohl er geringer ist als in Italien), ist sicherlich nicht gerade von Vorteil für die Unternehmen.

Es sind also nicht die geringeren Steuern, die einen Unternehmer zu einer Firmengründung in Deutschland antreiben, sondern vielmehr die Möglichkeit, mit dem deutschen Kunden Geschäfte zu machen und dabei sein vollstes Vertrauen zu haben.

Rechtsanwalt Centamore: Welche Gesellschaftsform man bei einer Unternehmensgründung in Deutschland wählen sollte

 

1. Ein Kurzporträt der Kanzlei „RAe Centamore & Loghman-Adham“

Mein Name ist Rosario Centamore. Ich bin Rechtsanwalt in der Gemeinschaftskanzlei Centamore & Loghman-Adam, die 2006 in Offenbach bei Frankfurt gegründet wurde.

Die Kanzlei spezialisiert sich auf Zivilrecht, in erster Linie Gesellschaftsrecht und Arbeitsrecht, aber auch Familienrecht.

2. Welche Gesellschaftsformen gibt es in Deutschland?

Die deutschen Gesellschaftsformen sind den italienischen recht ähnlich. Wie auch in Italien gliedern sie sich in zwei Gruppen:

  1. Kapitalgesellschaften
  2. Personengesellschaften

Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen liegt genau wie in Italien darin, dass die Mitglieder einer Kapitalgesellschaft nur mit dem Gesellschaftsvermögen haften, während die Mitglieder einer Personengesellschaft  uneingeschränkt auch mit ihrem Privatvermögen haften.

Die hier in Deutschland verbreitetste Gesellschaftsform ist die Aktiengesellschaft. Es handelt sich um eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, so wie die Srl (Società a responsabilità limitata) in Italien, die hier in Deutschland einer GmbH entspricht.

Die bekanntesten Personengesellschaften sind die oHG  (offene Handelsgesellschaft) und die Kommanditgesellschaft. Soweit der allgemeine Überblick über die deutschen Gesellschaftsformen.

3. Warum entscheidet sich ein italienischer Unternehmer, auf dem deutschen Markt zu operieren?

Ein italienischer Unternehmer, der europaweit expandieren möchte, versucht zunächst sicherlich eine Firma in Deutschland zu gründen, um den eigenen Marktanteil zu vergrößern.

In diesem Fall sollte man den Unternehmer zunächst beraten, ob es für ihn sinnvoller ist, in Deutschland eine eigene Firma zu gründen oder das Land vom in Italien gelegenen Hauptsitz aus zu bedienen.

Die Gesellschaftsform, die von den meisten von Ausländern in Deutschland gegründeten Firmen gewählt wird, ist die GmbH (entspricht der italienischen Srl). Vor allem deshalb, weil es sich (wie zuvor erwähnt) um eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung handelt. Denn gerade für denjenigen, der einen neuen Markt erprobt und nicht genau voraus sagen kann, was die unternehmerische Zukunft ihm bringt, ist es ein großer Vorteil, dass die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt ist.

Außerdem kann man eine solche Gesellschaft recht einfach und schnell ins Leben rufen.

4. Welche Vorteile bringt eine Unternehmensgründung in Deutschland mit sich?

Wenn ein italienisches Unternehmen versucht, mit Hilfe einer Außenstelle auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen, die Geschäfte dann nicht so laufen sollten wie geplant und die Gläubiger ihre Forderungen verlangen, wird nicht nur die Außenstelle, sondern auch der Hauptsitz des Unternehmens zur Rechenschaft gezogen.  

Gründet man hingegen in Deutschland direkt ein eigenes Unternehmen, so beschränkt sich die Möglichkeit der Gläubiger, ihre Forderungen zu verlangen, ausschließlich auf das deutsche Unternehmen. Genau deshalb ist es wesentlich vorteilhafter, ein Unternehmen hier in Deutschland zu gründen und nicht von Italien aus zu operieren.

Allein die Tatsache, dass der deutsche Kunde, Geschäfte mit einer GmbH und nicht mit einer Srl macht, ist zweifellos von großem Vorteil.

5. Welche Unterschiede gibt es zwischen Italien und Deutschland in Bezug auf die zu zahlenden Steuern?

Der Druck in Bezug auf Steuern ist hier in Deutschland meiner Meinung nach etwas geringer als in Italien.  Wobei der Druck auch hier vorhanden ist, vor allem auf Firmen und Unternehmer. Deutschland ist also steuerlich gesehen nicht gerade vorteilhaft. Doch im Vergleich zur Steuersituation, die derzeit in Italien herrscht, sichert sich Deutschland doch noch einen kleinen Vorteil.

6. Eine beispielhafte Geschichte eines italienischen Unternehmers in Deutschland…

Die Geschichte eines Kunden von uns, der zunächst versucht hat, den deutschen Markt von seinem vor langen Jahren in der italienischen Region Latium gegründeten Unternehmen aus zu bedienen. Sehr schnell wurde ihm klar, dass er besser ist, einen Firmensitz oder aber ein eigenes Unternehmen in Deutschland zu gründen, denn über den italienischen Hauptsitz schaffte er es nicht, den Kunden zu erreichen, der aufgrund der Entfernung und der Tatsache, dass es sich um eine im Ausland ansässige Firma handelte, einfach kein großes Vertrauen aufbauen konnte.

Innerhalb kürzester Zeit gründete der italienische Unternehmer in Deutschland eine GmbH, nach wie vor in der gleichen Spate, und konnte so seine Business-Aktivitäten deutlich steigern.

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