Enrico Pazzali: wie Messe Mailand ein schnelles, effizientes, marktorientiertes und internationales Instrument geworden ist

Enrico Pazzali, Vorstandsvorsitzender der Messe Mailand (Fiera Milano SpA), nennt uns Zahlen und berichtet uns über Strategien der mit 345.000 m² Ausstellungsfläche in Messehallen zweitgrößten Messe in Europa, die in sieben Ländern präsent ist.

Die Messe von heute ist nicht nur ein Schaufenster für die ausstellenden Verkäufer, sondern immer mehr ein Marketing-Instrument, “der Käufer muss gesucht, gefunden und überzeugt werden, an der Messe teilzunehmen”, und eine Informationsplattform, um technische Kenntnisse wie Marktinformationen zu sammeln und sich beruflich weiterzubilden.

Die von Enrico Pazzali beschriebene Messe Mailand ist eine globale Messe – nicht zuletzt dank der Projekte wie der Food Hospitality World. Und dennoch hat sie lokale Wurzeln, ist mit dem ursprünglichen Standort verbunden, der die Aufgabe hat ”den Gast zu verwöhnen, er muss sich geschmeichelt und nicht ausgenommen fühlen”.

Ein Tweet über die Messe: wie würden Sie die Messe Mailand in 140 Zeichen kurz und bündig präsentieren?

Ein für die Unternehmen unersetzbares Business-Instrument, das sich auf dem Weltmarkt immer schneller, effizienter, markorientierter und internationaler präsentiert.

Die Messe Mailand in Zahlen: wie groß ist die gesamte Ausstellungsfläche? Wie viele Aussteller und Besucher verzeichnet die Messe Mailand pro Jahr?

Die Ausstellungsfläche von Fiera Milano in Rho beläuft sich auf insgesamt 345.000 m² in Messehallen, was Messe Mailand gemeinsam mit Messe Frankfurt den zweiten Platz unter den größten europäischen Messegeländen sichert. Die vermietete Ausstellungsfläche in aufeinander folgenden Messeveranstaltungen beläuft sich auf insgesamt ca. 1,5 Millionen m² pro Jahr.

Die gesamte Ausstellerzahl liegt jährlich bei rund 27.000, die Gesamtbesucherzahl bei rund 5,5 Millionen.

Wir sind darüber hinaus in  7 Ländern außerhalb Italiens präsent (China, Indien, Brasilien, Türkei, Südafrika, Russland, Singapur), wo wir ca. 300.000m² Ausstellungsfläche pro Jahr bei rund 70 Messeveranstaltungen vermieten.

Die Trends der Messewirtschaft: was bedeutet heute, an einer Messe teilzunehmen und was wird es morgen bedeuten?

Seit geraumer Zeit kommt man weg von dem Bild der Messe als Schaufenster für den Verkäufer, der potentielle Kunden treffen möchte.

Heute arbeitet das professionelle Messewesen in offener Konkurrenz und wird immer mehr zur Messe für den Käufer, der gesucht, gefunden und überzeugt werden muss, an der Messe teilzunehmen: das impliziert eine Marketingaktivität, die in der Vergangenheit nicht zum Messegeschäft gehörte.

Die Messe von heute ist nicht mehr nur Ort für Auftragsunterzeichnungen, sondern bietet zudem das ideale Ambiente zur Kontaktaufnahme, -pflege, aber auch um die eigenen technischen Kenntnisse zu erweitern, Marktinformationen zu sammeln und sich weiterzubilden.

Die Messe ist der optimale Internationalisierungsweg für Unternehmen, insbesondere für kleinere Unternehmen, die sich mit dem Markteintritt in weit entfernten und schwierigen Märkten schwer tun. Für die B2B Messe der Zukunft ist der Internationalisierungsaspekt von immer größerer Bedeutung.

Und genau deshalb hat Messe Mailand ihre Auslandsinvestitionenen stark gesteigert und lanciert nun globale Messen wie beispielweise Food Hospitality World, die weltweit angeboten und dennoch den lokalen Anforderungen und Bedürfnissen angepasst werden.

Follow-up nach der Messebeteiligung: nach der Kontaktanbahnung auf der Messe müssen die neuen Kontakte gepflegt werden. Welche Instrumente, Strategien und/oder Projekte zur Kontaktpflege empfehlen Sie?

Immer häufiger folgt der Geschäftsabschluss erst nach Kontaktaufnahme auf der Messe und nicht während der Messe selbst. Deshalb sind wir als Messe vor und nach der Messe aktiv.

  • Vor der Messe schaffen wir die optimalen Voraussetzungen für das Aufeinandertreffen von Angebot und Nachfrage. Dabei werden die Bedürfnisse der Fachbesucher gezielt mit dem Angebot der ausstellenden Unternehmen gematcht. Dieser Matchmaking-Prozess umfasst nicht nur die Organisation von B2B-Gesprächen, sondern auch die Lösung eventuell auftretender Probleme vor dem B2B, denn nur so können wir den Anforderungen auf beiden Seiten gerecht werden.
  • Nach der Messe nutzen wir insbesondere die Möglichkeiten des Internets, um so die Messe und die Geschäftsverhandlungen virtuell fortzuführen und zwar dank einer online-Plattform, die nur vorab registrierte und autorisierte Unternehmen nutzen können. So wird also eine Messeveranstaltung nach Messeende virtuell fortgeführt, um Geschäftsabschlüsse zu ermöglichen.

Messe zwischen Netzwerk und Information: immer häufiger wird die Ausstellung von Rahmenevents zum Ausbau des Netzwerks begleitet. Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach das Rahmenprogramm einer Messeveranstaltung? Sind online-Plattformen weitere Instrumente, die das Netzwerk unterstützen?

Eine professionelle, moderne Messe ist ein wichtiges Verbindungsstück der Vertriebspolitik eines Unternehmens. Sie wird eingebunden in eine komplexe Struktur der Geschäftsbeziehungen und Kommunikation auf allen Ebenen. Der online-Service ist sicherlich hilfreich, ja er zählt heutzutage sogar zu den unentbehrlichen Mitteln für den Informationsaustausch und eine kontinuierliche Kommunikation.

Auch in diesem Bereich hat sich die Messe Mailand seit geraumer Zeit gewappnet, in dem sie eine Media Gesellschaft gegründet hat, die die verschiedenen Kommunikationsmittel bündelt, während bisher unterschiedliche Gesellschaften für das Verfassen von Broschüren in Papierform, für online-Services und –Inhalte und wieder andere für Konferenz- und Weiterbildungsveranstaltungen verantwortlich waren.

Die Messe, lokal und global. Wie wirkt sich der Standort auf eine Messeveranstaltung aus? Hier geht es nicht allein um die infrastrukturellen Gegebenheiten vor Ort, sondern Branchen-Events im Rahmen von Messeveranstaltungen.

Der Standort hat eine ganz wesentliche Auswirkung auch auf die Messe selbst. Denn in einer globalen Wirtschaft richtet sich die Wettbewerbsfähigkeit nicht allein nach der Qualität der Produkte, also der Messeveranstaltung selbst, sondern auch nach der Effizienz der lokalen Strukturen. Dies gilt in besonderem Maße für die Art von Serviceleistungen, die der moderne Dienstleistungssektor, also auch das Messewesen, liefern. Ein Standort umfasst dabei effiziente Dienstleistungen ausgehend vom Transportwesen und der Gastaufnahme, über Umweltqualität, Sicherheit, Unterhaltungs- und Freizeitangebote. Eine Messestadt muss also ihre Gäste “verwöhnen”: sie müssen sich geschmeichelt und nicht ausgenommen fühlen.

All dies beeinflusst den Besucher, der einige Tage in der Messestadt verbringen soll. Und diese Softfaktoren können den Ausschlag geben, wenn zwei Konkurrenzmessen an zwei verschiedenen Standorten veranstaltet werden, um sich für eine der beiden Messeveranstaltungen zu entscheiden.

Una risposta a “Enrico Pazzali: wie Messe Mailand ein schnelles, effizientes, marktorientiertes und internationales Instrument geworden ist”

  1. Wolfgang Marzin: so bietet Frankfurt 77.000 Unternehmen pro Jahr gute Businessmöglichkeiten - italiagermania | il blog

    […] dem Interview der letzten Woche mit Enrico Pazzali [wenn Du es noch nicht gelesen hast, kannst Du das hier tun], präsentieren wir heute die Antworten der Messe […]

    Rispondi

Lascia un commento