Warum der Minister Passera beschlossen hat, auf die Rückverfolgbarkeit der Produktions- und Vertriebsketten zu setzen

Was passiert, wenn die Transparenz der Produktions- und Vertriebskette sich als ein  wertvolles Instrument zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des Made in Italy erweist?

Und was, wenn dieses Konzept seine Wirksamkeit genau in einer Zeit beweist, in der den klein- und mittelständischen Firmen in Italien bestätigt wird, wie wichtig sie für die italienische Wirtschaft sind?

TF – Traceability & Fashion heißt das Projekt, um das es geht: durch den Verband Unionfiliere gefördert, hat das Projekt Veranstaltungen zur Verbesserung der Rückverfolgbarkeit in der Modeindustrie realisiert, mit dem Ziel, Informationen über die Unternehmen, die  an diesem Projekt teilgenommen haben zu kommunizieren.

Die Veranstaltungen wurden an drei verschiedenen Terminen und in drei strategischen Märkten für KMU mit der Unterstützung der Italienischen Auslandshandelskammern in Frankfurt, Moskau und New York. organisiert: in Deutschland (wir haben bereits darüber berichtet: hierhier und hier), in Russland und in den USA.

Rückverfolgen um konkurrenzfähiger zu sein

Das Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass es sich vor allem an die Unternehmen der wichtigsten Lieferkette wendet, die sich durch eine hohe Qualität auszeichnen und unbranded sind,  d.h. deren Stärke darin liegt, dass sie in Italien produzieren.

Es sind die klein- und mittelständischen Unternehmen, die im Mittelpunkt stehen, denn Rückverfolgbarkeit bedeutet:

  • Diesem oft verwirrenden und ungenau definierten Angebot eine Identität zu verleihen,  damit der  Wettbewerb auf den internationalen Märkten nicht ausschließlich über den Preis erfolgt;
  • Die Besonderheiten der lokalen Produktion als gemeinschaftliches Gut hervorheben (z.B. die italienische Mode und das Garn aus Biella oder der Kaschmir aus Perugia, etc.);
  • Verbesserung der Möglichkeiten der Förderung von Handels-oder Gebietsmarken , weil es nicht um eine kollektive Marke, sondern um ein Kennzeichnungssystem geht;
  • die Herkunft des Produkts verdeutlichen  und transparent machen, damit das  Made in Italy hervorgehoben wird.  Das ist auch ein wirksames Instrument im Kampf gegen Fälschungen;
  • Raum für die Kommunikation von Geschichten, die mit dem Produkt und/oder mit der Firma verbunden sind;
  • vor allem im Ausland wird die Rückverfolgbarkeit zunehmend von den Käufern gefordert.

Die Förderung durch das Ministerium unter der Leitung von Corrado Passera

Das Italienische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung hat beschlossen, nach der beeindruckenden Beteiligung von qualifizierten Einkäufern, Journalisten und Fachleuten aus der Modebranche an den Veranstaltungen im April 2012, eine zweite Phase des Projekts zu starten. Dieser interessierte Personenkreis wird ab sofort für die nächsten zwei Monate von den italienischen Handelskammern im Ausland kontaktiert, um Feedback zu den teilnehmenden italienischen Unternehmen zu sammeln.

Die zweite Phase erweitert den Anwendungsbereich des Projekts  auf diverse Produktkategorien (Gold, Textilien und Bekleidung, Schuhe und Lederwaren) und italienische Städte. Immer mit der operativen Unterstützung der italienischen Handelskammern im Ausland, gehen die Aktivitäten auf dem deutschen und dem russischen Markt, für die die größte Nachfrage seitens der italienischen Unternehmen besteht, weiter.  Dazu kommt  Japan mit einem ad-hoc-Projekt namens “We love Moda in Italy”.

Es werden Einkäufer aus Deutschland und Russland ausgewählt, die Firmen aus diesen drei  Makro-Sektoren in Italien besuchen werden. Das Ziel ist, sie  nach Italien zu bringen, um ihnen die Verbindung zwischen dem Produkt und dem Herkunftsgebiet, das Fundament für die Bedeutung der Rückverfolgbarkeit in der Modeindustrie, näher zu bringen.

Diese Verbindung in den Blickpunkt zu stellen, ist das Ziel des Projektes.  Dadurch kann ein Wettbewerbsvorteil für die beteiligten Unternehmen entstehen. Das Projekt präsentiert ausländischen Einkäufern, worauf sich die Unternehmen spezialisiert haben, aber auch das Know-how und die Tradition die die Produkte in sich vereinen, die eng mit  dem Herkunftsgebiet verknüpft sind.

Die Abbildung der Interessen von Einkäufern und die Auswahl von Produktions- und Vertriebsketten

Die italienischen Auslandshandelskammern in Deutschland und Russland haben ein System entwickelt, um die Interessen von ausländischen Einkäufern abzubilden. Der Verband Unionfiliere (Handelskammerverband für die Förderung der Produktions- und Vertriebsketten des Made in Italy) hat eine Umfrage der Unternehmen durchgeführt, die entweder bereits an dem Projekt der Rückverfolgbarkeit teilnehmen oder sich gerade dazu angemeldet haben, wie z.B. aus den Schmuckindustriezentren von Valenza Po,  Arezzo, Vicenza und den Textilgarn-, Kaschmir- und Baumwollzentren in Como, Biella, Perugia, Prato, Varese sowie aus den Schuh-und Lederwarenproduktionszentren in Fermo, Macerata und Florenz.

Die Umfrage von Unionfiliere ergab 27 Unternehmen aus 200 ansässigen Firmen, die gerade eine Internationalisierungerfahrung  machen oder das Potenzial aufweisen, in ausländische Märkte zu expanideren.

Zu den Auswahlkriterien zählen: der Anteil der Exporte, die Präsenz in ausländischen Märkten, die Teilnahme an Messen in Italien und im Ausland und an Tagungen, B2B-Projekten im Ausland und in Italien, der Innovationsgrad, die Registrierung der Marke im Ausland, etc.

Für die ausgewählten Unternehmen wird jeweils ein Firmenprofil erstellt, das die wesentlichen Informationen für Einkäufer enthält, die ihnen einen ersten Eindruck der Firmen für die Unternehmertreffen ermöglichen.

Die geplanten Treffen finden in der zweiten Novemberhälfte an zwei Tagen bei den italienischen Unternehmen statt, damit die Einkäufer auch das Herkunftsgebiet der Unternehmen und ihre Produktionsprozesse kennen lernen können. Ziel ist, nicht nur die Rückverfolgbarkeit in den Mittelpunkt zu stellen, sondern auch einen freundlichen und informellen Rahmen zu schaffen, in dem sich die ausländischen Einkäufer nicht nur mit den Produkten und den  Firmen, sondern auch mit der Kultur und der lokalen Tradition vertraut machen können.

Foto: hier

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