Sozialunternehmen: Überblick über das amerikanische und europäische Konzept und den “Nobelpreis”

Seit einigen Jahren ist der Begriff “Soziale Unternehmen” ein internationales Modewort. Was darunter verstanden wird, ist allerdings kontextuell sehr verschieden, angefangen vom Verständnis im Alltag bis hin zu den rechtlichen Rahmenbedingungen in unterschiedlichen Nationalstaaten.

Auf internationaler Ebene gibt es drei große allgemeine Stränge, entlang derer soziale Unternehmen definiert werden. Sie alle weisen weitere interne Differenzen auf, sind jedoch eine wichtige Voraussetzung für ein vertieftes Verständnis der jeweiligen nationalen Kontexte.

Daher möchten wir Ihnen hier eine erste kurze und übersichtliche Einführung in die Begrifflichkeit bieten, die in Bälde durch Posts zum nationalen Kontext in Italien und Deutschland ergänzt werden:

Soziale Unternehmen in den USA

Im amerikanischen Verständnis können soziale Unternehmen jegliche  unternehmerische Tätigkeiten durchführen, die auf innovative Art und Weise zur Generierung von Profit führen, welcher wiederum zur Erreichung eines sozialen Zwecks investiert wird. Die Wahl der Aktivitäten, der rechtlichen Form und der Unternehmensstruktur stehen dabei frei. Auch spielt die Frage nach der Gewinnorientierung keine entscheidende Rolle.

Insgesamt gilt das US-amerikanische Verständnis als das weitläufigste unter den dreien, die hier besprochen werden und es ist auch der herkömmlichen Unternehmensdefinition am ähnlichsten. Eine einheitliche rechtliche Normierung gibt es in den USA nicht. Auch gibt es keine allgemein anerkannte Definition. [vgl. Borzaga, Fazzi 2008, S. 18- 23]

Soziale Unternehmen in Europa

Die Rechtsnormen und Definitionen in den unterschiedlichen europäischen Nationalstaaten weisen nicht zu vernachlässigende Differenzen auf und eine Rechtsdefinition steht bislang aus.

Es ist allerdings möglich, auf zwei Definitionen zu verweisen: zum Einen handelt es sich um die Definition der Europäischen Union; zum Anderen haben namhafte europäische Forschungsinstitutionen bereits am Ende der achtziger Jahre eine Begriffsdefinition mit operationalisierbaren Kriterien eingeführt, welche auf als EMES- Definition bekannt ist.

Verschiedene nationale Gesetzgeber haben sich bei der Verfassung entsprechender Gesetzesnormen in den jeweiligen Nationalstaaten auf diese Definition gestützt (vgl. Borzaga, Fazzi 2008, S. 18- 23). Laut dieser Definition müssen “soziale Unternehmen” folgende  Kriterien erfüllen:

Soziale Kriterien:

  • Bei sozialen Unternehmen handelt es sich um privatrechtlich verfasste Wirtschaftsunternehmen zur Realisierung sozialer und/oder gemeinswesenbezogener Zielsetzungen,
  • die als Resultat kollektiven bürgerschaftlichen Engagements entstehen, wobei
  • Unternehmensführung nicht allein durch die Kapitaleigner übernommen werden kann.
  • Die Unternehmensführung soll überdies dem multistakeholder – Prinzip entsprechen.

Ökonomische Kriterien:

  • Es müssen Produkte oder Dienstleistungen kontinuierlich produziert werden , wobei es gilt,
  • ein hohes Maß an wirtschaftlicher Stabilität,
  • ein signifikantes Maß an ökonomischem Risiko,
  • ebenso wie ein Mindestmaß an Entlohnung für die Arbeit zu wahren

[vgl. Defourny, Borzaga, 2001,  S. 16 – 18 – Die englische Definition wird aufgrund ihrer Länge hier verkürzt und sinngemäß wiedergegeben. Die Übersetzung ist durch die Autorin dieses Textes erfolgt.]

Über die ersten vier Kriterien herrscht Einheit auf europäischer Ebene, die übrigen Kriterien sind Gegenstand von Diskussionen.

Die Yunus- Definition

Der Nobelpreisträger und Gründer der Grameen Bank Muhamad Yunus hat zwei Definitionen für soziale Unternehmen entwickelt. Bei beiden geht es darum, Produkte und Dienstleistungen zu einem Gemeinschaftszweck  und zu produzieren, welche für die Besitzer (1) keinen oder (2) nur limitierten Profit generieren. In letzterem Fall muss es sich um Personen die aus schwierigen ökonomischen Verhältnissen kommen handeln.

[vgl. Borzaga, Fazzi 2008, S. 18- 23]

Referenzen

BORZAGA, C., FAZZI, L., 2011. Le imprese sociali. Carocci Verlag, Rom. S. 18- 23.

DEFORUNY, J. BORZAGA, C.,  2001. The Emergence of social enterprise. Routledge Verlag, London. S. 16 – 18.

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