Innovatives Apulien präsentiert sich in Frankfurt: es entstehen neue Chancen und Möglichkeiten

Wie läuft ein institutionelles Treffen zwischen Vertretern der Italienischen Handelskammer, diplomatischen Vertretern Italiens im Ausland, Vertretern der italienischen  Tourismuszentrale ENIT und Vertretern einer Region wie der Apuliens ab?

Wir haben an einem solchen Treffen teilgenommen, um nicht nur die Entscheidungsträger aller beteiligten Institutionen, sondern auch alle  interessierten Parteien über die Strategie zur Stärkung der Wettbewerbs-und Innovationsfähigkeit der apulischen Unternehmer zu informieren.

Das Treffen am vorherigen Samstag in Frankfurt  bestand aus 3 unterschiedlichen Phasen. Gestartet wurde um die Mittagszeit mit einem Treffen unter Beteiligung von:

  • Italienische Handelskammer für Deutschland: Claudia Nikolai – Geschäftsführerin, Berthold Biehler – Vizepräsident und Leiter der Repräsentanz der Monte dei Paschi di Siena in Frankfurt, Jens Schattner – Kuratoriumsmitglied, Patrizia D’Agnelli – Projektleiterin bei der ITKAM
  • Region Apulien: Elena Gentile – Ministerin für Arbeit und Soziales der Region Apulien, , Giovanna Genchi – Leiterin der Internationalisierungsabteilung der Region Apulien
  • Italienisches Generalkonsulat in Frankfurt: Cristiano Cottafavi, Konsul
  • Pugliesi nel Mondo: Alessandro Calaprice – Vereinigung aller schweizerischen Verbände der Apulier (FAPS),
  • Enit in Frankfurt: Antonella Rossi –  Kommunikation & Marketing

 

Der Runde Tisch

13:15 – Vorstellung des Systems Italiens in Frankfurt

Der italienische Generalkonsul, Cristiano Cottafavi, eröffnet das Treffen in Frankfurt, einer Stadt mit rund 700.000 Einwohnern, von denen rund 50% ausländische Wurzeln haben, aber gut integriert sind. Die weltweite Bekanntheit Frankfurts basiert auf dem internationalen Flughafen und der Internationalen Messe, bekannt ist Frankfurt zudem für die hohe Lebensqualität und die starke Kaufkraft.

In Frankfurt arbeiten die Italienische Handelskammer für Deutschland, die italienische Tourismuszentrale Enit, und das Konsulat eng zusammen, um gemeinsam an einem Strang zur Förderung der Wirtschaftsbeziehungen mit Italien zu ziehen.

13:30 – Apulien: nicht nur Gastronomie, sondern auch Forschung und Innovation

Elena Gentile. Apulien hat sich bei der  Italienischen Woche in Frankfurt  mit einem Gemeinschaftsstand präsentiert. Elena Gentile gesteht ein, dass sie gerne noch eine größere Beteiligung seitens der apulischen Unternehmen gewünscht hätte, aber die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ließen dies leider nicht zu. Nichts desto trotz lässt sie sich von derzeitigen Krise nicht entmutigen, sondern sieht darin die Chance, dass die Region gemeinsam mit den lokalen Unternehmen noch gezielter Präsenz zeigt.

Guter Beweis für die Wettbewerbsfähigkeit Apuliens ist der Bereich der Erneuerbaren Energie, wo Apulien eine Vorreiterrolle in Italien eingenommen hat, zurückzuführen insbesondere auf das Know-how der Unternehmer vor Ort.

Für die Internationalität der Region sprechen zudem Ansiedlungen deutscher Unternehmer, bspw. die von Bosch und Getrag. Der Wirtschaftsstandort Apulien hat aber internationale Unternehmensansiedlungen ganz unterschiedlicher Industriezweige hervor zu weisen.

Und jetzt in der Krise hat die Region Apulien einen Wirtschaftsplan zur Förderung von Forschung und Entwicklung ins Leben gerufen. “Auf dem internationalen Markt kann man heutzutage nur bestehen, wenn die Unternehmen zusammenarbeiten ” unterstreicht die Landesministerin für Arbeit und Soziales. Bestes Beispiel ist die Luft- und Raumfahrtelektronik sowie die Mechatronik.

Apulien hat also eine starke Industriepräsenz, und diese ist nicht allein auf den Wein- und Lebensmittelbereich zurückzuführen, auch wenn dieser für Export und Beschäftigung (Beschäftigungsanstieg von mehr als 4%) von großer Bedeutung ist.

Und nicht zuletzt ist die Tourismusbranche zu erwähnen, denn hier ist nicht nur eine stärkere Präsenz, sondern auch eine Qualitätsverbesserung zu verzeichnen. Qualitätstourismus im Aufwind: “Eine Tendenz zugunsten der Kunststädte und der typischen Landhäuser, den sog. masserie, die nicht nur von Deutschen besucht, sondern auch aufgekauft werden – und dasselbe gilt auch für andere Nationen”.

13:40 – Das Netzwerk Pugliesi nel mondo

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Landesministerin für die Präsenz in Frankfurt plädiert hat: “wir möchten gerne wie in Spanien, Frankreich, Großbritannien und Belgien das Netzwerk der im Ausland ansässigen Apulier stärken. Nicht aus nationalistischen, sondern strategischen Gründen heraus, denn für uns ist der Humankapital das wichtigste Basis für den Ausbau der internationalen Beziehungen. Wer kann denn besser als Apulier selbst die Interessen, insbesondere auch die wirtschaftlichen Interessen Apuliens im Ausland vertreten?

Dank eines Regionalgesetzes konnte eine Stiftung namens Casa Puglia ins Leben gerufen werden, die dank des Projektes Pugliesi nel mondo eine Bindung zwischen Emigranten und der ursprünglichen Heimat geschaffen hat. Eine Bindung, die heute auch in Wirtschafts- und Geschäftsbeziehungen zum Tragen kommt. Und genau diese Beziehungen sind in der Regel langlebiger und erfolgreicher, denn sie beruhen auf einer gemeinsamen Identität.

13:50 – Apulien aus deutscher Sicht

Claudia Nikolai. Die ITKAM kooperiert seit dem Jahre 2008 eng mit der Region Apulien zur Vermarktung in Deutschland. Dank dieser Zusammenarbeit konnte die Kammer deutschen Unternehmen diese Region näher bringen, die weit mehr als Olivenöl zu bieten hat. Auf besonderes Interesse stieß dabei die technologische Stärke Apuliens.

In der Vergangenheit reichte die Zusammenarbeit mit der Region Apulien sogar soweit, dass ein Desk in den ITKAM-Büros errichtet wurde. Dank dieser engen Zusammenarbeit mit der Errichtung des Desks konnten Beteiligungen an unterschiedlichsten Messen und Events organisiert werden, genau deshalb hofft die Kammer auf die Wiederaufnahme des Desks, der eine nachhaltige Zusammenarbeit und nicht nur erste Kontaktaufnahmen ermöglicht.

Besonderen Schwerpunkt würde die Italienische Handelskammer, so  Claudia Nikolai weiter, auf die Organisation von B2B-Events in Apulien legen.

Berthold Biehler. “Apulien habe ich zu aller erst als Industriestandort kennengelernt, im Rahmen eines Investitionsprojektes im technologischen Bereich. Wir waren besonders positiv von dem technologischen Know-how vor Ort überrascht”.

14:00 – Die Bedeutung der Messe Frankfurt

Berthold Biehler ermutigt, die Chancen insbesondere im technologischen Bereich zu nutzen, die diese Region bietet. Sicherlich ist dabei die weltweit bedeutende Messe Frankfurt von großem Nutzen.

Denn die Messe Frankfurt ist nicht nur die einzige Messe weltweit, die ohne staatliche Unterstützung schwarze Zahlen schreibt. Sondern sie ist seit Jahrzehnten international aufgestellt, dank der Organisation von Schwesterveranstaltungen rund um den Globus. Eine Messe, die also im September 2012 in Frankfurt stattfindet, wird Monate später auch in einer anderen Stadt auf der Welt organisiert.

Im Kuratorium der ITKAM sitzt zudem Wolfgang Marzin, der CEO der Messe Frankfurt.

Berthold Biehler unterstreicht, wie die ITKAM ihre Dienstleistungen weiterentwickelt, nicht zuletzt durch die Schaffung eines Executive Board  mit Kompetenzbereichen für verschiedene Sektoren [Siehe Artikel hierzu].

Frankfurt ist also für die italienischen Unternehmen ein Sprungbrett für den weltweiten Export. Hier ist befindet sich das Industriezentrum Deutschlands. “Und die Kammer wird alles dafür tun, um auch Eure Unternehmen zu den Messen zu bringen, damit sie erfolgreich Geschäfte erst in Deutschland und dann weltweit machen können ” so der Vizepräsident abschließend.

14:10 – Ein Netzwerk der dritten Generation apulischer Auswanderer in Kanada

Giovanna Genchi. Sie unterstreicht die effiziente Vermarktungsstrategie, die nicht nur das technologische Know-how der Region in den Vordergrund stellt, sondern die Vermarktung der Region als Ganzes, inklusive der touristischen Vorzüge. Die apulischen Unternehmen müssen sich auf drei Säulen stützen: Forschung, Innovation und Internationalisierung.

Zudem muss die Vermarktung Apuliens durch die im Ausland ansässigen Apulier gestärkt werden. So wie dies beispielsweise in einem kürzlich realisierten Projekt in Zusammenarbeit mit dem Apuliern in Montreal geschah. Im Rahmen dieses Projektes wurden 10 Unternehmer der 3. Generation apulischer Auswanderer ausgewählt, die in Apulien Fortbildungskurse besucht haben, die lokale Industrie kennengelernt haben, um dann aus den apulischen Unternehmen in der Region diejenigen auszuwählen, mit denen sie Geschäftsbeziehungen ausbauen möchten.

14:20 – Fokus: Bildung

Elena Gentile. In einem der letzten Treffen mit dem italienischen Arbeitsminister ist die Notwendigkeit hervorgehoben worden, das duale Bildungssystem als Einstieg in die Arbeitswelt voranzutreiben. Und in diesem Zusammenhang ist der Ausbau der Beziehungen zu deutschen Ausbildungsbetrieben notwendig.

Cristiano Cottafavi. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang zu wissen, dass in Deutschland ein großer Fachkräftebedarf besteht: allein in den nächsten 5 Jahren werden 30.000 Ingenieure gesucht [siehe hierzu diesen Artikel], und genau deshalb wird ein Fonds zur Ausbildung ausländischer Lehrlinge in Deutschland eingerichtet,  der neben der Zahlung von 1.000 Euro im Monat, die Bezahlung von Sprachkursen und die kostenlose Nutzung von Fitnesscenter vorsieht: mit der Festanstellung erhält der Arbeitnehmer dann 3.000 Euro.

Elena Gentile. Innovation und Einstieg in die Arbeitswelt stehen auch im Fokus der regionalen Programme Bollenti Spiriti und Principi attivi.

Claudia Nikolai. Im Oktober organisiert die ITKAM, gemeinsam mit der IHK Konstanz, eine Veranstaltung zur Fachkräftevermittlung“Zur Vorbereitung organisieren wir eine Jobtag in Italien, um mit Ingenieuren, Universitäten und auch Unternehmen in Kontakt zu treten, die ggf. das Outsourcing bestimmter Prozesse aufgrund des Fachkräftemangels in Deutschland übernehmen könnten“.

Die apulischen Teilnehmer des Runden Tisches zeigen großes Interessen und wünschen weitere Erläuterungen.

Claudia Nikolai. In diesem Zusammenhang macht die Geschäftsführerin der ITKAM auf ein Problem aufmerksam: aufgrund des nicht vorhandenen Dualen Ausbildungssystems in Italien kennen italienische Fachkräfte interne Betriebsabläufe wenig, wodurch die Einarbeitung in deutschen Unternehmen schwerer fällt.

Deshalb der Vorschlag gemeinsam mit den Berufsschulen in Deutschland zusammenzuarbeiten, um das notwendige Know-how des dualen Bildungssystems in Deutschland nach Apulien zu bringen und somit wäre die Region von noch größerem Interesse für deutsche Unternehmen, die dem Beispiel von Bosch folgen könnten.

14:50 – Vermarktung des Qualitätstourismus

Antonella Rossi. Enit präsentiert ein Projekt, das gemeinsam mit der Region Apulien zur Vermarktung der süditalienischen Destination für Golftouristen organisiert wurde. Apulien verzeichnet steigende Touristenflüsse, insbesondere dank des Ausbaus der Infrastruktur, insbesondere der Fluganbindung ans Ausland. Das Projekt beinhaltet zudem die Vermarktung eins Golfturniers in Apulien über eine Tourismusfachzeitschrift. Für Apulien spricht insbesondere die Infrastruktur für diesen Nischenmarkt, dank guter Flugverbindungen und zahlreicher Golfplätze, aber auch die klimatischen Bedingungen, die das Golfspielen in 10 Monaten des Jahres ermöglicht.

15:00 – Kleines Büffet und gemeinsamer Gang zur Italienischen Woche

Das Arbeitstreffen endete mit verschiedenen Kooperationsplänen. Die Delegation begibt sich anschließend gemeinsam zum Stand der Region Apulien bei der Italienischen Woche, die vom Konsul und der Landesministerin offiziell eröffnet wurde. Ein gemeinsamer Besuch der Stände schließt sich an, bevor das Treffen der in Frankfurt und Umgebung ansässigen Apulier auf dem Programm steht, doch davon berichten wir in unserem nächsten Post.

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