Mirandola: der Wiederinbetriebnahme eines Clusters, von den Unternehmen bis zur Infrastruktur

Das größte biomedizinische Cluster in Europa, weltweit an dritter Stelle nach denen von Los Angeles und Minneapolis: nach Angaben einiger zerstört durch das Erdbeben am 28. Mai diesen Jahres, arbeiteten bereits 3 Tage später die Unternehmer in Zelten, präsentierten sich auf internationalen Messen und führten ihre F&E-Projekte fort.

Das Cluster in Zahlen

Über das “biomedizinische Cluster von Mirandola” wurde in der freien Enzyklopädie Wikipedia ein Artikel veröffentlicht, der vor 3 Monaten von einem lokalen Gymnasium im Rahmen des Projektes Das Wort ergreifen angelegt wurde.

Es handelt sich hierbei um eine regionale Ballung von Unternehmen der Biomedizin, spezialisiert auf die Herstellung von  Einmalprodukten für den Medizinbedarf und von elektromedizinischen Geräten, die sich alle in der Gegend um Mirandola und den umliegenden Gemeinden MedollaConcordiaCavezzoSan Felice sul PanaroSan PossidonioSan Prospero[1] und Carpi angesiedelt haben.

Die jüngsten Daten  aus 2009 bestätigen die Ansiedlung von 292 Unternehmen  im Cluster, davon 232 KMUs (mit weniger als 50 Beschäftigen pro Unternehmen). Im Jahre 2008 haben 4.951 Beschäftigte zu einem Export von 339 Mio. EUR beigetragen.

Die Entscheidung zu bleiben und wieder loszulegen

Wir haben, wie der Industrieverband Confindustria, die einzelnen Unternehmen nach der Einschätzung der Netto-Infrastruktur- und Anlagen- Schäden, bei Betriebsausfall gefragt: sie belaufen sich auf  350-400 Millionen Euro

Giuliana Gavioli, in einem Interview auf Linkiesta , bestätigt die Schadensangaben und die schnelle Wiederinbetriebnahme von Gambro Dasco:

«Am 24. Mai hat uns unsere stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Silke Lerche, besucht, die extra aus Schweden angereist war, um sich in Bild nach dem Erdbeben zu machen: sie hat uns dafür gelobt, was wir innerhalb von 3 Tagen geleistet haben», erzählt der Communication Manager der Gambro Dasco-Gruppe, Biagio Oppi. «Am Donnerstag haben wir das “Distributionszentrum”, wieder zum Laufen gebracht, das nach Italien, Osteuropa und an die Adria liefert und von besondere Wichtigkeit für Versorgung von Klinken und Krankenhäuser ist, die bei Liefereinschränkungen durch das Erdbeben unter Engpässen bei der biomedizinischen Grundversorgung gelitten hätten [von hier]

Die Tageszeitung ‘Il Fatto Quotidiano’ berichtet von einer weiteren Wiederinbetriebnahme und zwar der von Bellco, die vor einem Monat 3 neue Maschinen auf einer  internationalen Tagung in Paris vorgestellt hat. “Innerhalb von 2 Tagen haben wir Zelte aufgebaut”, erzählt Fabio Grandi, “und nach 3 Tagen haben wir unsere Arbeit wieder aufgenommen. Wir können es uns nicht leisten, unsere Projekte hängen zu lassen, die Wiederinbetriebnahme hat es uns zudem die Rückkehr zum Alltag, also zu einer verloren gelaubten Normalität ermöglicht.“

Lokale Institutionen, Bürgermeister, Gewerkschafter und Unternehmen haben zusammengearbeitet,  um nach dem Beben das Cluster wiederzubeleben. Über das Web können wir viele Erfolgsstorys verfolgen, die zum Alltag zurückgefunden haben und so schnell und effizient wie möglich eine  „Normalität“ geschaffen haben.

Und viele weitere Geschichten müssen noch erzählt werden, die nicht zuletzt auf ein erweitertes Netzwerk zurückgreifen konnten, in dem auch Deutschland  eine wichtige Rolle als Partner gespielt hat. Die Wiederaufnahme der Unternehmen in diesem Cluster hat auch den anderen europäischen Clustern wichtige Impulse gegeben: denn nur hier können diese Erzeugnisse produziert werden und nirgendwo anders:

“Wir haben hoch qualifiziertes Personal”, erklärt der Marketingleiter Fabio Grandi, “und genau deshalb können wir unsere Unternehmen nicht irgendwo anders ansiedeln. Nur hier finden wir hoch qualifizierte Arbeitskräfte und sind in ein bedeutendes Netzwerk mit engen Beziehungen zu Lieferanten und Produzenten  eingebunden” [von hier].

Nicht nur Verankerung im Unternehmen, sondern auch in der Region

Ein Cluster funktioniert letztlich nur dank der vorhandenen Infrastruktur vor Ort, und genau deshalb hier die Bankverbindung für freiwillige Spenden auf das eigens für den Wiederaufbau eingerichteten Konto der Gemeinde von Mirandola:

IBAN IT87N0503466850000000005050 (SWIFT BAPPIT21405) mit Angabe “terremoto maggio 2012″.

Foto von ModenaToday

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