Emanuele Gatti: die Rolle der italienischen Außenhandelskammern zur Vermarktung des ‚Made in Italy‘

Industrielle EntwicklungWirtschaftliche und finanzielle Entwicklung, Innovation und Know-How-TransferBesondere Stärken Italiens. Vier Kompetenzbereiche, vertreten von jeweils einem Kuratoriumsmitglied, die um den  Kompetenzbereich Finanzen  mit einer weiteren Persönlichkeit ergänzt werden.

Emanuele Gatti, Vorstand der Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA, seit dem 11. Mai Präsident der ITKAM, zeigt die fünf Kernbereiche auf, in denen neue Dienstleistungen zur Stärkung der Unternehmen für die Fortentwicklung des Business zwischen Deutschland und Italien geschaffen werden.

Denn gerade eine Handelskammer mit einer über 100jährigen Erfahrung muss sich selbst erneuern, um das ‚Made in Italy‘ in einem immer komplexeren Umfeld effizient zu vermarkten. Genau deshalb macht Emanuele Gatti auf die Vermarktung des ‘Made in Italy‘ und die Rolle der Institutionen aufmerksam.

“Die Diskussion über eine Reform der Promotion des ‘Made in Italy’ wurde durch die Veröffentlichung einer Studie von Mc Kinsey angeregt, die auf rund 50 Seiten die Effizienz der italienischen Institutionen zur Internationalisierung der italienischen Unternehmen in Frage stellt und neue Lösungswege aufzeigt.

Ein wichtiger Bestandteil des Lösungsvorschlages ist die Bündelung der Aufgaben der verschiedenen Institutionen und kann Kraft insbesondere aus der  jahrzehntelangen Erfahrungen der italienischen Außenhandelskammern schöpfen.

Ein Musterbeispiel?

Bestes Beispiel bietet Deutschland, wo das Handelskammersystem dank gezielter Unterstützung und integrierter Vermarktung der deutschen Unternehmen auf dem Weltmarkt eine Schlüsselrolle bei der Vermarktung des ‘Made in Germany’ einnimmt.

Die Prioritäten der Italienischen Handelskammer für Deutschland zusammengefasst in 4 Antworten

Am 11. Mai 2012 hat das Kuratorium der Italienischen Handelskammer für Deutschland e.V. Emanuele Gatti zum neuen Präsidenten der ITKAM gewählt. In derselben Sitzung wurden Berthold Biehler, Banca Monte dei Paschi di Siena, und Rodolfo Dolce, Anwaltskanzlei Dolce – Lauda,  als Vizepräsidenten gewählt.

Nach seiner Wahl hat der neugewählte Präsident ein Interview gegeben, in dem er die Prioritäten des neuen Vorstandes unterstreicht.

Welches sind – Ihrer Meinung nach – die wichtigsten Akzente für die künftige Entwicklung der ITKAM ?

Zuerst einmal möchte ich betonen, dass die ITKAM in den letzten Jahren sehr erfolgreich auf beiden Märkten – dem deutschen wie dem italienischen – agiert hat. Dafür sprechen die guten Ergebnisse dank erfolgreich durchgeführter Projekte sowohl in den traditionellen als auch in innovativen Bereichen wie Erneuerbare Energien und Aerospace. Das Engagement und die Professionalität, die das gesamte Kammerteam insbesondere bei der Hundertjahrfeier im November letzten Jahres unter Beweis gestellt hat, lässt uns optimistisch in die Zukunft der ITKAM blicken.

Um diese Weiterentwicklung gezielt voranzutreiben, beabsichtige ich Kompetenzbereiche innerhalb des Kuratoriums zu schaffen, damit das Kuratorium aktiv zum gezielten Ausbau des Serviceangebots der ITKAM beitragen kann. Unser Kuratorium, das ehrenamtlich tätig ist, umfasst renommierte deutsche wie italienische Unternehmen wie beispielsweise ENI, Generali, Pirelli, Deutsche Bank, Messe Frankfurt.

Somit werden mit  Ihrer neuen Strategie die Weichen gestellt, damit die Kammer mit einem noch umfangreicheren Serviceangebot den Herausforderungen eines immer dynamischeren wirtschaftlichen Umfeldes gewachsen ist. Insbesondere in welchen Bereichen sollte Ihrer Meinung nach die ITKAM ihre Dienstleistungen gezielt ausbauen?

Der gezielte Ausbau wird sich parallel zur Schaffung der fünf neuen Kompetenzbereiche innerhalb des Kuratoriums entwickeln. Nach intensiven Gesprächen hat sich der neue Vorstand für die Schaffung folgender Kompetenzbereiche ausgesprochen, dank derer die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien weiter intensiviert werden sollen: “ Industrielle Entwicklung”, “Wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung”, “Innovation und Know-How-Transfer” und “Besondere Stärken Italiens”. Die ITKAM wird somit mit ihren bilateralen Marktexperten in Frankfurt, Berlin, Leipzig und Köln die Aktivitäten in den traditionellen Branchen des ‘Made in Italy‘ weiter ausbauen und zudem die Zusammenarbeit zwischen deutschen und italienischen Unternehmen in innovativen High Tech-Bereichen weiter forcieren.

Weiteres wichtiges Standbein der ITKAM ist der kontinuierliche Ausbau der Beziehungen zu deutschen wie italienischen Institutionen, die durch die Ernennung eines in Deutschland wie Italien renommierten Kuratoriumsmitgliedes noch weiter intensiviert werden. Dieser gezielte Ausbau  macht aber nur Sinn, wenn er auf einer weiterhin soliden finanziellen Ausstattung basiert und genau deshalb haben wir uns dazu entschlossen, ein eigenen Kompetenzbereich “Finanzen der ITKAM” zu schaffen.

In Italien wird derzeit über eine Reform der Promotion des ‘Made in Italy’ diskutiert. Wie sieht die ITKAM ihre Rolle im neuen Panorama der Reformen?

Die Diskussion über eine Reform der Promotion des ‚Made in Italy‘ wurde mit Veröffentlichung einer Studie von Mc Kinsey angeregt, die  auf rund 50 Seiten die Effizienz der italienischen Institutionen zur Internationalisierung der Unternehmen in Frage stellt und neue Lösungswege aufzeigt.

Das ist ein erster, wichtiger Schritt, um die Aufgaben der unterschiedlichen Institutionen zu bündeln und eine einheitlichere und damit wirkungsvollere Promotion zu schaffen.

Im Rahmen eines neu zu schaffenden Vermarktungssystems hat das gesamte italienische Außenhandelskammersystem nun die Chance, ihr über Jahre auf den Auslandsmärkten erworbenes Know-how den Institutionen wie Unternehmen noch effektiver zur Verfügung zu stellen. Denn dank der traditionell engen Vernetzung und dem kontinuierlichen Dialog mit italienischen und ausländischen Unternehmen, setzen wir seit Jahrzehnten auf ein unternehmerisches Denken, das nicht nur die gezielte Entwicklung neuer Serviceangebote zur Fortentwicklung der Wirtschaftsbeziehungen hat, sondern auch auf einem effektiven Finanzierungssystem beruht.

Ich bin deshalb zuversichtlich, dass im Rahmen dieser Reformen unsere bedeutende Rolle zur Entwicklung der Auslandsaktivitäten der italienischen KMUs stärker anerkannt wird und dass die italienischen Außenhandelskammern noch enger und koordinierter mit dem italienischen Wirtschaftsministerium, mit dem Handelskammerdachverband Unioncamere und den Botschaften zusammenarbeiten können. Ein Blick nach Deutschland, in dem das Handelskammersystem eine Schlüsselrolle für die Vermarktung des ‘Made in Germany’ einnimmt, unterstreichen die Bedeutung der Handelskammern zur gezielten Unterstützung und integrierten Vermarktung von Unternehmen auf dem Weltmarkt.

Die ITKAM ist vor allen auch ein Verein von Unternehmen, die freiwillig der Kammer beitreten. Welches sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Vorteile einer Mitgliedschaft und wieso sollte ein Unternehmer der ITKAM beitreten?

Ein ganz wesentlicher Vorteil einer Mitgliedschaft bei der ITKAM besteht in der Möglichkeit, sich mit seinen individuellen Anforderungen und Wünschen zur Fortentwicklung der eigenen Geschäftskontakte in Deutschland bzw. in Italien  an unsere bilateralen Marktexperten zu wenden, also unsere erfahrenen Mitarbeiter im Frankfurter Hauptsitz und in den Regionalbüros in Berlin, Leipzig und Köln, die unsere Mitglieder professionell und kompetent beraten.

Zudem bieten die zahlreichen Initiativen der ITKAM in Deutschland wie Italien die Möglichkeit, an einem Netzwerk qualifizierter Unternehmen und Institutionen teilzuhaben, die am italienischen bzw. deutschen Markt interessiert sind.

Mit der Schaffung eines wichtigen Kommunikationsinstrumentes zur gezielten und innovativen Vermarktung des ‚Made in Italy‘ haben wir seit diesem Jahr unser Serviceangebot insbesondere für unsere Mitglieder weiter ausgebaut: der neue Blog itkam.org, der unsere bisherige Internetseite  ergänzt.

[Das gesamte Interview von Emanuele Gatti kann in der nächsten Ausgabe von èItalia, der Zeitschrift des italienischen Handelskammersystems nachgelesen werden ]

Ein paar Zeilen zum Initiator dieses Blogs: die Italienische Handelskammer für Deutschland e.V.

Die Italienische Handelskammer für Deutschland e.V. (ITKAM), im Jahre 1911 in Berlin als Non-Profit-Organisation von Unternehmern und Freiberuflern auf Grundlage des deutschen Rechtssystems geschaffen, ist eine der bedeutendsten italienischen Außenhandelskammern und nun seit mehr als 100 Jahren auf dem deutschen wie italienischen Markt tätig, um die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Italien und Deutschland weiter auszubauen und die Zusammenarbeit von Unternehmen beider Länder zu unterstützen.

Der Erfolg der Kammer, die ihren Hauptsitz in Frankfurt am Main hat und über weitere Regionalbüros in Berlin, Leipzig und Köln verfügt, ist nicht zuletzt auf die lange Tradition im Dialog mit deutschen wie italienischen Unternehmen zurückzuführen, die zu einer steten Fortentwicklung des Serviceangebotes beigetragen haben.

Foto: Maleki Group

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